1994 ORF Leistungsindikatoren 5 S.

Versuch einer mehrdimensionalen Operationa-lisierung der Qualität von Fernsehsendungen

Leistungsindikatoren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Von Peter Diem

Im Rahmen der mit der EBU affiliierten Grupper Europäischer Publikumsforscher GEAR (Group of European Audience Researchers) findet das Thema der Performance indicators (Leistungsindikatoren) des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steigende Beachtung durch die Praktiker. Dies geht nicht nur auf die diesbezüglichen Bemühungen der akade mischen Medienforschung zurück, sondern hat. seinen Grund in der Tatsache, daß der (zumindest zum Teil) gebührenfinanzierte öffentlich-rechtli che Rundfunk in allen Ländern unter Legitima-tionsdruck steht bzw. von sich aus ein Legitima-tionsbedürfnis verspürt. So haben etwa die däni schen Kollegen Grundsatzüberlegungen für die Leistungsbeurteilung im öffentlichen (public ser-vice) Fernsehen und Radio beigesteuert, welchen sie eine detaillierte Betrachtung der Elemente public” und service” zugrundelegten. Im Anschluß an derartige Überlegungen ist darauf hinzuweisen, daß operationalisierbare Leistungsbeurteilung ihrer Natur nach zunächst operationalisierte Ziel-vorgaben erfordert, deren Ermittlung wiederum ausreichende empirische Meßdaten voraussetzt.


Heribert Schatz und Winfried Schulz haben ver-sucht, Kriterien und Methoden zur Beurteilung von Programmqualität im dualen Fernsehsystem aufzuzeigen. (1) Die beiden Autoren beschränken sich dabei vorwiegend auf eine Makroanalyse, das heißt, Gegenstand ihrer Untersuchung waren Fern-sehprogramme im Sinne von Fernsehunterneh men. Es ging ihnen vor allem darum festzustellen, wieviele und welche Dimensionen das Phänomen Programmqualität hat, wobei die gesamte Pro-grammleistung eines Anbieters und nicht die Qua-lität einzelner Fernsehsendungen betrachtet wurde – ohne daß dieser letztere Aspekt völlig ausge klammert werden konnte und sollte. Der Hörfunk wurde nicht ausdrücklich mitbehandelt, obwohl die Mehrzahl der Gedankengänge auch auf das Radio anzuwenden gewesen wäre.
Schatz und Schulz isolierten in ihrem makro-analytischen Konzept fünf Hauptkomponenten, an denen sich ihrer Ansicht nach die Qualität von Fernsehangeboten (er)messen läßt:


1. Vielfalt (Breite, Vollständigkeit, Ausgewogen-heit);


2. Individuelle und gesamtgesellschaftliche Re-levanz;


3. Professionalität (journalistische und ästhe tische Kriterien); 4. Akzeptanz kation); (Publikumszufriedenheit, Gratili


5. Rechtmäßigkeit (Gesetzestreue, Konformität mit Rundfunkrichtlinien).


So sehr der Systematik und den Konkretisierungs versuchen der beiden Autoren in den meisten Punkten zugestimmt werden kann, so sehr muß ihnen in Punkt 4 widersprochen werden. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sich die Rezeptionsphänomene von Fernsehprogrammen der Analyse mit Hilfe des politikwissenschaftlichen Instrumentariums entziehen. Schatz und Schulz haben versucht, die-ses Dilemma zu umschiffen, indem sie in Anleh-sung an grundlegende Ausführungen von Hansjörg Bessler aus dem Jahr 1980 über die Probleme der
Hörer- und Zuschauerforschung (2) erklärten: a) Publikumsurteile einzuholen, sei sehr aufwendig


b) die Ergebnisse würden immer nur ex post geliefert, ihre Verallgemeinerungsfähigkeit sei ungewill,
d) sie könnten daher nur fallstudienhaft” in der Grundlagenforschung eingesetzt werden,
1) nur ein inhaltsanalytischer Ansatz sei for schungsökonomisch zu bewältigen.


Alle diese Einwände gelten heute nicht mehr, im Gegenteil:


a) Das Einholen von Publikumsurteilen ist mit jedem modernen Metersystem ohne besonderen Zusatzaufwand zu verwirklichen.
b) Qualitative oder quantitative Pretests, die mit derselben Skala wie das Meter arbeiten, erbringen vergleichbare Ergebnisse ex ante.
c) Wer zum Beispiel 15 000 Sendungsbeurteilun


gen pro Jahr zur Verfügung hat (wie der ORF), braucht sich über die Verallgemeinerungsfähigkeit der Daten keine Sorgen zu machen.
Der fallstudienhafte Einsatz von Urteilen ist der geringen Fallzahl wegen gefährlich: Erst das immer wieder gleichartige Auftreten von Beurtei lungssyndromen über Jahre hinweg schafft verläß liche Einsichten in die qualitative Nutzung des Fernsehens.
e) Inhaltsanalysen sind viel aufwendiger als die tiglich im Metersystem oder Tagebuch (single source) anfallenden Urteilswerte.
Obwohl es nach Meinung der Autoren durch aas konsequent wäre, das Urteil des Publikums zum jeweils gesehenen Programm empirisch zu ermitteln, und sie feststellen, daß dies in einer Reihe von Ländern der Fall ist”, haben sie nicht ver-sucht, diese beiden Erkenntnisse zum Ausgangs-punkt einer Recherche zu machen.
Damit befinden sich Schatz und Schulz allerdings in guter Gesellschaft, denn selbst die Angebote, die führende demoskopische Institute heutzutage bei der Ausschreibung von neuen Fernsehmetersyste men abgeben, enthalten nur wolkige bis unwillige Ausführungen über die Frage der Programmbeur teilung. Dies unbekümmert um den Umstand, daß halb Westeuropa (Großbritannien, Niederlande, Belgien), halb Nordeuropa (Norwegen, Dänemark) und halb Mitteleuropa (Österreich, Schweiz, Tsche chische Republik, Polen) seit vielen Jahren mit Programmbeurteilungssystemen arbeiten.


Es ist hier nicht der Platz, diese Diskussion im Detail und anhand konkreter Beispiele zu führen, es wurde an anderer Stelle darauf ausführlicher eingegangen. (3) Es sei nur nachdrücklich darauf verwiesen, daß die Analyse der Publikumsurteile und damit des Publikumsgeschmacks gerade für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Zukunft von immer größerem Wert sein wird, will er lang fristig Qualität vor Quantität setzen. Erst wer mit dem Geschmack von Zuschauern und Zielgrup pen, von Massen und Eliten voll vertraut ist, kann verantwortungsvoll Programm gestalten.


Die vier Dimensionen der Programmdeistung
In Weiterführung der Thesen von Schatz und Schulz soll im folgenden ein mikroanalytisches Konzept zur Beurteilung der Programmqualität von Fernsehen vorgestellt werden. Es soll dabei versucht werden, die Qualität einzelner Fernseh sendungen mehrdimensional zu bestimmen, wor aus man natürlich im Endelfekt auch auf die Qua lität des Gesamtangebots eines Senders schließen kann, so daß auch makroanalytische Ergebnisse erzielt werden können.
Es wäre ohne weiteres möglich, die vielschichtige Wechselwirkung von Kommunikatorintention und -leistung, der spezifischen Kanalfunktionen und des individuellen Rezipientenverhaltens in ein multidimensionales System zu bringen und dabei vor allem auf die Programmqualität abzustellen. Doch aus der Erwägung, ein pragmatisches Modell zu entwickeln, das dem Management und den Pro-grammverantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einsichtig und als Kontrollinstrument zumutbar ist, wurde versucht, mit einer möglichst kleinen Zahl von Leistungskriterien auszukom-men und dennoch eine möglichst umfassende, auch nach außen vertretbare Programmqualifika tion zu erzielen.
Für ein solches pragmatisches Modell bieten sich folgende vier Dimensionen an:


1. Quote (Reichweitenstaffeln bei Erwachsenen
bzw. Kindern),


2. Note (Bewertung des Sendungserlebnisses auf einer Skala),


3. Kosten (präliminierte Innen- und Außen-kosten in Indexform) (4),


4. Niveau (Skalierung nach dem öffentlich-rechtlichen Programmanspruch).


Die Darstellung dieser vier Dimensionen erfolgt in einem rechtwinkligen Koordinatensystem, bei dem (als erste Grundannahme) jeder Vektor eine fünfstufige Skala aufweist die genaue Zahl der Teilung der Skalen ist aber nicht das Entschel-dende. Das Koordinatensystem der vierdimensio-nalen Leistungsbeurteilung (VDL) soll als Lei-stungsdiagramm oder VDL-Diagramm bezeichnet werden und hat folgenden Grundaufbau (vgl. Abbildung 1):

1. Die Dimension Reichweite (a): Zu dieser Dimen-sion ist nicht viel zu bemerken, ist doch die lau-fende Orientierung von Programm und Fernseh werbung an der Sehbeteiligung hinreichend bekannt. Was vielleicht erwähnt werden sollte, sind gelegentliche Währungsprobleme”. Der Begriff Quote ist an sich bereits obsolet. Er stammt aus der Zeit, als es noch keine People meter, also personenbezogene Fernsehmeßsysteme, sondern nur Set meter gab. In den USA war dies bis vor wenigen Jahren der Fall, in Europa gibt es schon sehr lange die Personentaste. Die Haushaltsquote überlebte in Deutschland als gängige Maßzahl der Sehbeteiligung aber deshalb so lange, weil ihr Wert ungefähr um die Hälfte höher als jener der Personenreichweite liegt. Einer Haushaltsquote von 21 Prozent entspricht eine Erwachsenenreich-weite von rund 14 Prozent.
In den anderen Ländern Europas wurde die Haushaltsquote schon früher abgeschafft oder erst gar nicht eingeführt. Nun ist sie aber auch in Deutschland zum alten Eisen geworfen worden. weil die (höhere) Haushaltsquote den Privatsen-dern von ihrer Zahlenwirkung her zu wenig attraktiv schien, müßten ja doch viele Angaben über Zuschauer als einstellige Zahl zwischen 0,1 und 9,9 Prozent erscheinen. Aus diesem Grunde werden in Deutschland, einem zwar sehr großen, aber von starkem Wettbewerb gekennzeichneten Fernsehmarkt, nunmehr Millionenwerte als Maß aller Dinge eingesetzt. Für internationale Ver gleiche sollte dennoch das Rating nicht vergessen werden. Darunter verstehen Programmverant wortliche und Werbekunden auf der ganzen Welt nur das eine: den Prozentanteil der während einer Sendung oder während eines Werbeintervalls im Mittel erreichten Erwachsenen.
Wie immer die Sehbeteiligung gemessen und aus-gedrückt wird, sie bildet auch für das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein sehr wichtiges Leistungs-kriterium. Für sehr hohe, hohe, mittlere, niedrige und sehr niedrige Reichweite werden im VDL- System nun Intervalle gebildet, und auf der fünf stufigen Skala wird verallgemeinernd abgetragen welche Publikumsgröße erreicht wurde
Genauso ist es vorstellbar, den (in Kabel-/Satel litenhaushalten oder national) erreichten Sen dungsmarktanteil als Maßstab für den quantitati ven Erfolg eines Programms heranzuziehen. Dabei muli man freilich vorsichtig sein, kann der Markt anteil eines Senders doch in manchen Zeitzonen. überproportional hoch sein was weniger auf das erreichte Publikum als vielmehr auf das Fehlen von Kenkurrenzprogrammen zu eben dieser Sen-dezeit zurückzuführen sein kann.
2. Die Dimension Publikumsurteil (b): Unter der saloppen Bezeichnung Note wird die repräsentativ erhobene Beurteilung einer Sendung durch die Zuschauer verstanden. Die Betonung liegt auf repräsentativ, das heißt, die Erhebung muli auf der Basis einer repräsentativen Stichprobe mit einer genügend großen Fallzahl (Notengeber) pro Sen dung erfolgen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Zuseherurteil single source, das heifit durch Fernsehmeter oder Fernsehtagebuch uno actu ermittelt wird oder ob zur Feststellung der qualita tiven Publikumsresonanz ein zweites demoskopi sches Instrument eingesetzt wird. So wird seit vie len Jahren in Großbritannien der Appreciation Index (Al) durch eine vom Metersystem getrennte Umfrage erhoben. In der Schweiz werden neben der Beurteilung durch die Metermessung auch telefonische Urteile eingeholt.
Wichtig ist weiterhin, sich immer vor Augen zu halten, daß die Beurteilungsnote nicht die Sen-dung an sich, sondern das jeweils von der Sendung ausgelöste Sendungserlebnis milit. Daraus folgt. dafi verschiedene Beurteilungsphänomene ver schieden zu interpretieren sind: So darf etwa die Benotung für ein verlorenes Weltmeisterschafts spiel nicht der Bildregie oder der Sportredaktion angelastet werden, und die hohe Benotung, die ein Sender für die dezente Übertragung eines Promi nentenbegräbnisses einhrimst, sollten nicht zur Suche nach weiteren ähnlichen Anlässen verleiten etc. Hingegen wird der Benotungsunterschied, der zwischen den einzelnen Folgen eines Mehrteilers auftritt, dem Sendungsverantwortlichen immer einen genauen Hinweis auf die Wirkung einzelner Handlungsmuster geben.
Bislang konnte noch keine europäische Standardi sierung der Beurteilungsskalen erreicht werden. Während die Schweiz zur Zeit fünfstulig und Österreich sechsstufig messen, hat sich in Westeu ropa die elfstufige Akzeptanzskala von 0 (schlech-tester Wert) bis 10 (bester Wert) durchgesetzt. Eine solche Dezimalskala ist verständlich und mit. einem arithmetischen Mittelwert von 5,0 auch sehr einsichtig bei der Interpretation. Es wird daher angestrebt, die Skala 0 bis 10 als internatio nale Akzeptanzskala in ganz Europa zu verankern. Sie wird in Süddeutschland und Österreich bereits für alle Hörfunkmessungen (Musiktitelforschung. Moderatarenpräferenz etc.) eingesetzt. soll im hier entwickelten Konzept nun auch bel der Dimension Note eine fünfstufige Leistungs-skala mit den Graden sehr hohes, hohes, mittleres, niedriges und sehr niedriges Publikumsurteil ein gesetzt werden.
3. Die Dimension Relative Kosten (c): Es würde zu weit führen, alle Gründe für die Notwendigkeit, in öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen ein höheres Bewußtsein für Kosteneffizienz zu schaf fen, zu beleuchten. Fest steht, daß gerade gebüh renfinanzierte Rundfunkveranstalter meist sogar gesetzlich verpflichtet sind, die Prinzipien der Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlich keit zu beachten.
Kostenbewußtsein erfordert zunächst Kosten-transparenz, sodann faire Formen der Effizienzbe rechnung. Transparenz bedeutet, die präliminier ten Innen und Auflenkosten einer Sendung, das heillt die aus langjährigen Erfahrungswerten vor kalkulierten indirekten und direkten Kosten, nicht als Abteilungsgeheimnis zu behandeln, sondern innerbetrieblich allgemein zugänglich zu machen. Fair bedeutet, nicht alles über einen Kamm zu scheren, sondern nur Vergleichbares zu ver gleichen. Die Berechnung erfolgt durch den pro duktionswirtschaftlichen Leiter, der ein Programm nach einem Blick in sein Budget mit jenen Kosten anmeldet, die sich nach detaillierter Kalkulation mit dem Produktions/Dispositionssystem PRO-DIS ergeben. Die aus Erfahrungswerten vorkalku lierten indirekten und direkten Kosten weichen in der Regel nicht wesentlich (+/-5%) von den end gültigen, abgerechneten Kosten ab, haben also mehr als nur vorläufigen Charakter. Die Gesamt-kosten einer Sendung sind nicht nur mit der Dauer der Sendung (Minutenpreis), sondern auch mit der Reichweite der Sendung (Minutenpreis pro tau send Seher) in Beziehung zu setzen. Dies kann bereits am Tag nach der Sendung mit Hilfe des TELECOST-Systems geschehen.
Vergleiche sind dann nicht etwa zwischen Eigen produktionen und Kaufprogrammen, sondern nur zwischen vergleichbaren Produktionsarten inner halb vergleichbarer Genres/Programmaparten anzustellen. Letztendlich sind Schwellenwerte zu vereinbaren, bei welchen die Effizienzgrenze jedenfalls als überschritten zu gelten hat-wo alse auch das Arzument des Programmauftrags öffent lich-rechtlichen Rundfunks an seine Grenzen stößt. Beim ORF gilt der zweieinhalbfache Spar tendurchschnittswert als absolute Obergrenze für alle Arten von Produktionen.
Was heißt das nun für den ökonomischen Vektor im Leistungsdiagramm? Es wird vorge schlagen, die nach unten weisende Koordinate ebenfalls in fünf Abschnitte zu teilen, und zwar gemäß den Indexwerien 50, 100, 150, 200 und 250, Konkret bedeutet dann der Wert 1 (Index 50), daß die Kosten der Sendung bei der Hällte des Sparten- bzw. Hausdurchschnitts oder darunter lie gen, beim Wert 2 ( Index 100) entsprechen sie dem Durchschnitt. Der Extremwert von 5 Punkten (Index 250) würde bedeuten, daß die Gesamtko sten der Sendung das Zweieinhalblache des Durchschnitts erreicht oder überschritten haben.
4. Die Dimension Niveau (d): Auch beim vierten Vektor des Diagramms wird eine Fünferskala vor-geschlagen. Mit Hille dieser Skala wird die Sen dung aul einem Kontinuum eingestult, das vom Wert 1 (höchster öffentlich rechtlicher Anspruch) bis zum Wert 5 (niveaulose Kommerzware) reicht. Es ist unschwer zu erkennen, daß die Operationali sierung der Dimension Niveau die schwierigste Aufgabe bei der Leistungsbeurteilung darstellt, da sie nicht unter Ausschaltung subjektiver Faktoren geleiatct werden kann. Hicran werden sich natür lich die Gemüter entzünden, doch sollte man nicht vergessen, daß gerade diese Dimension sehe bedoutsam ist, weil sie das wesentliche Unterschei dungsmerkmal zwischen öffentlich-rechtlichem and kommerziellem Rundfunk darstellt. Manch mal wird das als Belastung empfunden umge kehrt aber kann man genauso sagen, dall hohes Niveau (hoher Anspruch, aufklärerische Intention) in Wirklichkeit eine Unique Selling Position” und damit ein langfristiger Welthewerbsvorteil der traditionellen Rundfunkanstalten ist.
Während sich die Dimensionen Reichweite, Beurteilung und Kosten per Computer ohne wei-teres ermitteln lassen, muß die Dimension Niveau erst bei der Sendungsanalyse operationalisiert werden. Wenn es also um die Frage der Perfor mance einer Sendung geht, ist unter den Pro grammverantwortlichen, dem Management und der Medienforschung ein Konsens über die vierte Dimension herzustellen. Dies geschicht am besten durch Punktevergabe auf Stimmzetteln in einer Sitzung oder durch interdisziplinäre Rundirage der Medienforschung bei einer ausreichenden Zahl von dafür qualifizierten Auskunftspersonen.
mg Unter der Überschrift Niveau (Anspruch, Inten ation) sind eine Reihe positiver Subdimensionen zu an berücksichtigen, z.B. ob die Sendung:
eine aufklärerische Intention verfolgt und diese auch tatsächlich umsetzen konnte,
besonderes journalistiiches Bemühen erfor
derte,
eine engere soziale Zielgruppenfunktion er füllte,
hohes künstlerisches/ästhetisches Niveau in Inhalt und/oder Machart aufwies,
dem Unternehmen hohes Prestige, Preise oder positive Kritiken einbrachte. Andererseits müssen möglicherweise negali Kriterien in Rechnung gestellt werden, so etw daß die Sendung
ins Triviale oder Obszöne abgeglitten ist,
ein Maß an Gewaltdarstellungen enthiell das durch den Handlungszusammenhang keiner Weise gerechtfertigt war.
vor allem dem Sensationsbedürfnis der Ze schauer diente,
schwere künstlerische und/oder technische Mängel aufwies.
dem journalistischen Ethos durch Mangel Sorgfalt oder Bemühen um Objektivitä widersprach
Auf einen kurzen Nenner gebracht: Die Ver gabe von ein bis fünf Punkten zur Positionierum auf der Niveaukoordinate richtet sich danach, w sehr den allgemeinen Idealen des öffentlich-reckm Ichen Rundfunks, seinem künstlerischen Au spruch und seinem gesetzlichen Programmaus bing sowie den übergeordneten Unternehmensai en entsprochen wurde oder wie sehr man sich am die Ebene der Anspruchslosigkeit begeben ha Wie bei den Kosten ist hier der geringste Punkt wert der beste Wert.
Auswertung des Leistungsdiogramms: Ermittlung der
Hentlich-rechtlichen Effizient
Führt man sich einige konkrete Anwendungsfal des VDL-Diagramma vor Augen, so kana ma unschwer erkennen, worauf die graphische Da stellung hinausläuft und wie diese in eine Punkt bewertung umgesetzt werden kann (vgl. Abb dung 2). Bei einer idealen Sendung ergibt sich ei polles Quadrat rechts oben: Die Sendung hat ein naximale Reichweite (5 Punkte nach oben) be angezeichneter Beurteilung durch das Publikun Punkte nach rechts).
Dem steht ein kleines Quadrat links unte gegenüber. Die Sendung verursachte relat geringe Minutenkosten (1 Punkt nach unten) um latte ein hohes künstlerisches haw journalist sches Niveau (1 Punkt nach links).

Das obere Viereck wird also durch das untere Vier eck nur unwesentlich gemindert. Somit ergibt sich die einfache arithmetische Formel: (ab) – (cd) = e .ln Worten: Hohe öffentlich-rechtliche Effizienz (e) liegt vor, wenn sich hohe Reichweite (a) mit hoher Beurteilung (b) und geringe relative Kosten (c) mit hohem Niveau (d) verbinden. Im konkreten Fall hieße das: (5 * 5)(1 * 1) = 24
Ein gegenteiliger geringer Reichweite (1 Pluspunkt) und mittlerer Beurteilung (3 Plus punkte) bei sehr hohen Kosten (5 Minuspunkte) und nur mittlerem Niveau (3 Minuspunkte) ergäbe die Wertung: (l * 3)(5 * 3) =-12(vgl. Abbildung 3). Wie man sieht, können im Idealfall 24 Plus-punkte, im schlimmsten Fall 24 Minuspunkte als Leistungsmaß herauskommen. 

Durch die gleiche Anzahl an Skalenschettes gelien alle vier Dimensionen Reichweite, Publi kumsurteil, relative Kosten und öffentlich-rechtli chem Anspruch gleichwertig in die Berechnung ein. Würden alle vier Leistungskriterien einen gleichen (zB mittleren) Punkiewert erhalten, ergabe sich ein Laistungsmittelwert von Null
Die operationalisierte vierdimensionale Lei stungsbeurteilung für ein öffentlich rechtliches Radio- oder Fernsehprogramm (VDL) enthält abo den für die Zukunft wichtigen Ansporn, in Reich weite und Beurteilung überdurchschnittlich zu punkten, dabei aber weder die Kosten zu überhé hen noch dat Niveau der Sendungen unter ein dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechendes Mall abranenken Anmerkungen:
1) Vgl. Schatz, Heribert/Winfried Schulz: Qualität von Fernseh programmen. Kriterien und Methoden zur Beurteilung von Programmqualität im dualen Fernsehsystem. In: Media Per-spektiven 11/1992, S. 690-712.
2) Bessler, Hansjörg: Hörer- und Zuschauerforschung. Rundfunk in Deutschland Rd.5 (herausgegeben von Hans Bausch). München 1980.
3) Vgl. Diem, Peter: Die Praxis der ORF-Medienforschung. Quantitative und qualitative Programm- und Zuschauerfor-schung. In: Media Perspektiven 9/1993 S. 417-431.
4) Präliminierte Kosten sind jene Werte, die aus der langjähri gen Erfahrung vorkalkuliert werden. Innenkosten sind die Indirekten Kosten, jene zum Teil nur buchhalterischen Belastungen einer Sendung, die das Haus betreffen (Stu-dioerhaltung, Strom, Gemeinkosten aller Art). Sie werden nicht in allen Anstalten genau berechnet, fallen aber natür-lich in unterschiedlicher Höhe an. Bei einem gekauften Film sind sie praktisch null. Bei einem im eigenen Studio gedreh-ten Ratgeberprogramm mit eigener Mannschaft gibt es nur Innenkosten. Bei einem Diskussionsprogramm können neben den Innenkosten Fahrtspesen oder Honorare für die Teilnehmer anfallen, die dann wieder als Außenkosten gel-ten. Jedenfalls geht die Tendenz dahin, die indirekten Kostem immer genauer zu erfassen. Außenkosten sind die indirek-ten Kosten, das heißt jene Kosten, die ein Filmhändler ver-rechnet, oder die das Drehbuch, die Schauspieler, die nöti gen Reisen, angemietete Kamerateams, Satellitenstrecken alle Leistungen von Dritten also verursachen.