2004 Mozarts Tod und Begräbnis 12 S.

Mozarts Tod — ein Rätsel wird gelöst — Mozarts Begräbnis

Woran ist der knapp 36-jährige Wolfgang Amadeus Mozart am 5. Dezember 1791 kurz vor 1 Uhr in der Früh gestorben? Warum ist sein Grab verschollen?

Diese Fragen beschäftigen über zwei Jahrhunderte nach seinem Tod immer noch die Gemüter der Mozartfreunde aller Herren Länder. Folgende Fragen zu seiner Krankheit, seinem Sterben und seiner Grablegung werden erstmals beantwortet.

Warum wies Dr. Th. Closset den 15 Tage lang dahinsiechenden Mozart nicht ins Allgemeine Krankenhaus zu Wien ein, wo er als leitender Arzt angestellt war? Warum sah er sich veranlasst, im Sterbefall Mozart den ausgewiesenen Giftspezialisten Dr. M. Sallaba zu konsultieren? Warum eilte der hohe Staatsbeamte Baron Gottfried van Swieten unmittelbar nach Mozarts Ableben durch die kalte Winternacht ins Sterbehaus zur Witwe, die ihn übrigens gar nicht näher kannte, und warum ordnete dieser steinreiche Mann für den europaweit berühmten Hofmusiker ein pietätloses Begräbnis dritter Klasse inklusive mehrfach belegtem Schachtgrab an?

Warum sorgte nicht überhaupt Mozarts zahlreiche angeheiratete, in Wien lebende Verwandtschaft für die Begräbnisangelegenheiten? Warum wurde Mozarts Tod der Öffentlichkeit am Vormittag des 5. Dezember 1791 verheimlicht?

Gab es überhaupt eine Einsegnung der Leiche, und wenn ja, warum fand sie strikt außerhalb des Domes von St. Stephan statt? Gab es ein Schneetreiben, das die Trauergemeinde zwang, den Sarg auf dem Wege seiner Überführung zum St. Marxer Friedhof im Stich zu lassen und umzukehren? Warum besuchten weder Mozarts zahlreiche Verwandten, Maurerbrüder, Freunde noch Kollegen in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren sein Grab, so dass seine letzte Ruhestätte verschollen ist?

Warum machte Constanze sich erst nach geschlagenen 17 Jahren das erste und einzige Mal auf den Weg zum Friedhof, und zwar auf Drängen eines Bekannten? Warum ging Schwager J. Lange in seiner Autobiographie von 1808 mit nicht mehr als einem Halbsatz auf den Tod seines genialen Verwandten ein, während er doch dem Tode einer Kollegin eine ganze Seite widmete? Warum weigerte sich der schreibgewandte Weltmann und aktive Augenzeuge Baron Gottfried van Swieten gleich mehrere Male, einen Beitrag zu einer erweiterten Mozartbiographie zu verfassen?

Warum befragte Mozartbiograph G. N. Nissen nicht seine Ehefrau Constanze; warum bat er stattdessen deren in der Ferne wohnende Schwester Sophie Haibl schriftlich um Auskünfte zum Tode Mozarts? Wer hat das Gerücht in Umlauf gesetzt, A. Salieri sei Mozarts Feind gewesen? Wer hat im Autographen des Requiem KV 626 den handschriftlichen Hinweis auf die Autorenschaft Mozarts gefälscht? Warum sind die Noten letzter Hand — Freimaurerkantate KV 623 — völlig verzittert niedergeschrieben?

Warum verweigerten, auch auf wiederholte Bitten der Schwägerin Sophie, die Kleriker der Pfarre von St. Peter und auch die Pfarrer von St. Stephan, in der ja Mozart die letzten Monate seines Lebens unentgeltlich als Kirchenmusiker tätig gewesen war, dem Sterbenden das Sakrament der Krankensalbung? Waren sie dazu berechtigt? Warum konnten die Exequien nicht in seiner Heimatkirche St. Stephan gehalten werden?

Warum gedachte Wien in keiner Form des berühmten Toten, während in Prag sogleich eine würdige Totenfeier unter Anteilnahme der gesamten Stadt abgehalten wurde? Warum veranstalteten Mozarts Freimaurerbrüder erst Monate nach den Ereignissen und nicht sofort, wie sonst, für die Witwe mit ihren zwei kleinen Kindern eine Geldsammlung? Warum ist über deren Ergebnis nichts bekannt?

Warum wurde die Trauerloge zu Mozarts Gedenken nicht, wie dort üblich, bereits wenige Tage nach Mozarts Tod, sondern erst ein knappes halbes Jahr später gehalten? Warum firmiert darin Mozart unter ferner liefen, und warum führt die dabei verlesene Maurerrede Mozarts Tod als „schmachvollen Gegenstand“ ein? Warum wird in ihr von „ekelhaften Insekten, denen der Körper je nach Beschaffenheit der Umstände als Wohnung und Speise dient“, von einer Krankheit, deren Namen nicht genannt werden kann, und zudem reichlich von der Tugend verhandelt? Warum mündet die Rede in den Ruf: „Sein früher Tod sey uns die kräftigste Aufmunterung zur Tugend“?

Warum verlor der leitende Staatsbeamte Baron van Swieten — Sohn des Arztes Gerard van Swieten, welcher mit dem „Liquor Swietenii“ knapp 5.000 Kranke von der damals in Wien grassierenden Syphilis geheilt hatte — genau am Todestag des k. k. Kapellmeisters Mozart durch ein Handschreiben Kaiser Leopold II. seinen hohen Posten als Präses der Studien-Hofkommission?

Warum attackierte der subalterne Hofangestellte Franz Hofdemel einen Tag nach Mozarts Tod seine hochschwangere Frau Magdalena, Klavierschülerin Mozarts, mit einem Rasiermesser und entleibte sich anschließend selbst? Warum besuchten die Kaiserin und ihr Hofstaat die bürgerliche Magdalena? Warum weigerte sich Beethoven, dem Magdalena vorgestellt wurde, mit dem Ausruf: „Hofdemel? Ist das nicht die Frau, die die Geschichte mit Mozart gehabt hat?“, vor ihr zu spielen?

Warum schrieb C. F. Zelter 1827 seinem Freund J. W. v. Goethe, Mozart habe seine robuste Gesundheit mit Weibern ruiniert? Warum musste der greise J. Haydn bei Erwähnung des Namens seines längst verstorbenen Freundes immer weinen? Warum ließ der Magistrat der Stadt Wien erst nach dem Tode aller Zeitzeugen Mozarts Grab ein erstes Mal suchen? Warum behandelt das offizielle Wien nach Bekunden des englischen Historikers F. Carr bis auf den heutigen Tag Mozarts Tod und Begräbnis „mit äußerster Verlegenheit, Saumseligkeit und schamvoller Zurückhaltung“?

In seinem ab 15. August 2004 über http://www.amazon.de erhältlichen Buch Mozarts Tod — ein Rätsel wird gelöst gibt der Kölner Mozartforscher und Verleger Ludwig Köppen die Antwort:

Weil in einer gut geplanten Vertuschungsaktion verhüllt werden sollte, dass Mozart nicht an „Frieselfieber“, sondern an einer Quecksilbervergiftung gestorben ist, die er sich zugezogen hat, als er mit von van Swieten jr. illegal beschafftem Quecksilbersublimat seine Syphilis selbst behandelte. Der Leichnam wurde unter Umständen begraben, die eine spätere Exhumierung praktisch unmöglich machten. Das erklärt auch die Abwesenheit der angeblich so verliebten/geliebten Konstanze während vieler Monate, in der Todesstunde, beim Begräbnis und ihre 17 Jahre währende Weigerung, den St. Marxer Friedhof zu besuchen.

Auf die Frage, was die Konsequenz wäre, wenn seine gut recherchierten Thesen allgemein anerkannt würden, antwortet Köppen:

Überhaupt wäre die schönste und unschädlichste Konsequenz aus meiner „Zertrümmerung“ der Vertuschung, wenn man sozusagen erleichtert dieses Verhalten aufgeben würde. Umso rascher würden sich die Gemüter beruhigen, man würde bald zur Tagesordnung übergehen und sagen: Jetzt wissen wir es genauer — armer Mozart.

pd/22.7.2004

Mozarts Begräbnis und seine letzte Ruhestätte

Zu der Zeit, als W. A. Mozart starb, bestanden wesentlich andere Gewohnheiten und galten andere Vorschriften über das menschliche Sterben als heute. Mozarts Begräbnis spielte sich demgemäß höchstwahrscheinlich wie folgt ab.

Freunde und Verwandte verabschiedeten den Toten in seinem Sterbehaus, 1., Rauhensteingasse 8, am späten Vormittag des 5. Dezember 1791.

Nachmittags folgte die Einsegnung in der zuständigen Pfarrkirche; im Falle Mozarts erfolgte dies in der Kreuzkapelle zu St. Stephan. Es war unüblich, dass weibliche Trauergäste, ja nicht einmal Verwandte und Angehörige, an dieser Zeremonie teilnahmen. Nach der Trauerfeier wurde der Leichnam in der nur von außen zugänglichen Kruzifixkapelle neben dem Adlerturm abgestellt, von wo er dann am Abend zum Friedhof gebracht wurde.

Der Weg zum St. Marxer Friedhof — ca. 4 km vom Dom entfernt — wurde ohne Assistenz durch einen Geistlichen zurückgelegt. Eine Begleitung des den Leichnam transportierenden Gefährts war zwar denkbar, aber in den Augen der meisten Menschen nicht sinnvoll.

Im Friedhof wurde der offene Sarg in der Leichenkammer abgestellt. Wegen der angenommenen Möglichkeit eines Scheintodes durfte der Leichnam erst am nächsten Tag beigesetzt werden.

Somit erfolgte das eigentliche Begräbnis am 6. Dezember, nach den Gepflogenheiten jener Zeit ebenfalls ohne Priester.

W. A. Mozart wurde in einem sogenannten Schachtgrab zur letzten Ruhe gebettet. Unter einem Schachtgrab ist ein Grab zu verstehen, in dem mehr als zehn Leichname beigesetzt wurden. Diese Art der Beerdigung war nach der 1791 noch immer geltenden josephinischen Begräbnisordnung für Verstorbene, die nicht das Wiener Bürgerrecht besaßen, üblich.

Die Erklärung, warum Christoph Willibald Gluck 1787 ein persönliches Grab am Matzleinsdorfer Friedhof erhalten hatte, W. A. Mozart aber in einem Schachtgrab landete, ist einfach. Gluck war Besitzer eines Hauses in Wien, Mozart nicht.

1784 wurden auf Grund der Hygieneverordnungen Josephs II. alle Friedhöfe in Wien und den Vorstädten aufgelassen. Dafür wurden eine Reihe von neuen Friedhöfen außerhalb des Linienwalles angelegt, von denen heute nur noch der St. Marxer Friedhof — vor der sogenannten St. Marxer Linie, heute 3., Leberstraße 6 — besteht. In diesem Friedhof wurde der Leichnam W. A. Mozarts beigesetzt.

Diese damals eingerichteten Begräbnisstätten wurden nach Eröffnung des Zentralfriedhofs 1874 geschlossen. Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss die Gemeinde Wien, diese Friedhöfe in Parkanlagen umzuwandeln. Dem Einsatz des Landstraßer Lehrers und Volksbildners Hans Pemmer ist es zu danken, dass der St. Marxer Friedhof als einziger erhalten blieb und heute eine Mischung aus Freilichtmuseum und Erholungspark darstellt.

Nach 33 Reihen von Privatgräbern im westlichen Teil des Friedhofs und 39 Reihen im östlichen Teil beginnt der Bereich der Schachtgräber, in denen Personen beigesetzt wurden, die nur ein Armenbegräbnis erhielten, aber auch Verstorbene — wie beispielsweise der Salzburger W. A. Mozart —, die zu Lebzeiten kein „Heimatrecht“ in Wien hatten. Diese Schachtgräber — im damaligen Sprachgebrauch als „allgemeine einfache Gräber“ bezeichnet — hatten nur eine Bestandsdauer von zehn Jahren, was bedeutet, dass sich Mozarts Gebeine mit Sicherheit nicht mehr an Ort und Stelle befinden.

Das Schachtgrab, in dem Mozart aller Wahrscheinlichkeit nach am 6. Dezember 1791 beigesetzt wurde, liegt im östlichen Schachtgräberbereich nahe dem Mittelweg.

Durch Jahrzehnte nach seinem Tod blieb sein mutmaßlicher Begräbnisort unbekannt. Erst 1855, also 64 Jahre nach Mozarts Beisetzung, wurde die Aufnahme von Protokollen mit einer Reihe von Personen angeordnet, von denen anzunehmen war, dass sie Wesentliches über die Grabstätte auszusagen wüssten. Als Ergebnis dieser protokollarischen Einvernahme wurde nunmehr „mit größter Wahrscheinlichkeit“, wie es im Amtsvermerk vom 1. Dezember 1855 heißt, die Lage der Grabstätte Mozarts erhoben.

1859 errichtete man das große Grabmal von Hanns Gasser.