Moderne Rhythmen zur Ehre Gottes
Die Rhythmusnesse (misss rhythmics, ungenau auch Jazzmesse) ist eine Realität. Sie ist nicht unbestritten, steht weiter in der Diskussion. Aber sie ist da. Sie mußte einfach kommen. dar doch die gottesdienstliche Musik imner Ausdruck einer Zeit, nie etwas zeitlos gültiges. Manchmal haben wir Österreicher, die wir be-gnadete Kirchenkomponisten in reicher Zahl zu unseren Landsleuten rechnen dürfen, das Gefühl, die Lobpreisung Gottes habe mit den Werken Bruckners, Haydens, Mozarts und schuberts einen ab oluten Höhepunkt errreicht. Niemand wird die musikalische Qualität der klassischen Kirchenmusik bestreiten. Dennoch gibt es Gründe, die den Einbau rhythmisch betonter Weisen in das liturgische Geschehen rechtfertigen, ja geradezu provozieren.
Die Liturgiefeform ist Ausdruck der Demokrasisierung der Kirche.
Zum ersten Mal seit vielen hundert Jahren wird es sich nach dem Peter und Fauls-Tag 1967 ereignen, daß alle beim Meßopfer Anse-senden jedes Wort, das der Friester spricht verstehen,, in seiner vollen Bedeutung erfassen werden. Ab diesem Zeitpunkt wird es nämlich erlaubt sein, such den Kanon in der Landessprache zu feiern. Damit wird such dor dos lateinischen nicht nächtige Nel-besucher instand gesetzt, sich das durch die Einsetzungsvorte ausgedrückte Geschehen beim letzten Abendmahl wirklich plastisch und damit viel andächtiger vor Augen zu halten. Eine echte Inte-gration der gottesdienstlichen Gemeinde zu einer Abendmahlsgemcin-schaft wird der Erfolg dieser Maßnahme sein.
Im Hinblick auf die kirchenmusikalische Gestaltung der Meßfcier bedeutet diese noch aktivere Mitfeier jedoch praktisch das Ende der “aufgeführten Messe”. Es geht einfach nicht an, gewisse Teile der Liturgie an einen Chor zu delegieren und während ihrer Durch-führung wohlig zurückgelohnt “Musik” zu horen. Der mündige Laie von heute will selbst mitgentalten, selbst Träger der Liturgie sein.
Die moderné Kirchenmusik muß für den Loien freudig mitvollziehbar sein
Wenn der aus der technischen, Arbeitswelt von heute kommende Mensch-vor allen der junge Mensch den Kirchenraum betritt, will er nicht un Jahrhunderte zurückversetzt werden, sondern mit den Formen der Gegenwart seinen lebendigen Gott Huldigung erweisen. Das ist der Grund und Ursprung der Rychmucmesse und die quelle ihres Erfolges.
In oiner an das pulsierende Lebensgefühl den modernen Menschen
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appellierenden Form, in einer seiner biologischen Wirklichkeit angepaßten Tonlage und in einer ehrlichen, unpathetischen textlichen Aussage will der Weltchrist von heute aktiv om Gottesdienst teilnehmen.
Über die konkrete Art der Durchführung kann man diskutieren.
Dabei soll man aber nicht so argumentieren, als wäre jede über die Betätigung der Atmungsorgene und Lippen hinausgehende Bewegung eine Hanifestation des Teufels. “David und alle Israeliten tanzen voll Eifer vor dem Herrn mit Zitbern, Harfen und Pauken”, heißt es in der Schrift. Warum sollten nicht such die Menschen des 20.
Jahrhunderts nach Christus ihr Gotteslob durch körperliche Gesten ausdrücken sei es, daß sie, im Eifer ihrer Mitfeier, im Hłythmus mitwippen, oder sei es, daß sie einmal such den sakralen Tanz in eine gottesdienstliche Feier einbauen.
Die Auswahl der für eine Rhythmussesse geeigneten Lieder ist
bereits ziemlich groß.
Es ist Aufgabe der für eine Gemeinschaft Verantwortlichen, dafür zu sorgen, daß die für dine bestimmte gottesdienstliche Feier ausgewählten Stücke den Charakter dieser Feior angemessen sind.
Der Text coll in einer möglichst innigen Beziehung zum constigen liturgischen Geschehen stehen. Eine vorherige Probe mit Vorsängern und Stimmführern bezw. mit der Bend ist notwendig. Zwar zielführend, aber im Grunde nicht sehr elegant ist die Methode, eine Meßfeier mit der gesanten versamelten Gemeinde zuerst durchzuproben und gleich daruaf “richtig” aufzuführen. Das lenkt meiner Meinung nach etwas su sehr von liturgischen Geschehen ab. Die Kirchenbesucher in Österr ich sind im allgemeinen in der Lage, auch schwierige Melodien, wenn sie Texte mit Noten und eine ihrer Stimmlage ange-messone musikalische Begleitung vorfinden, unter Anleitung eines Vorsängers besonders in Wechselgesang vom Blatt zu singen. Man muß sie hådzu nur entsprechend nachdrücklich einladen.
Vielfach wird eine Erklärung über den Ursprung einer rhythmischen Weise nützlich sein. Ich finde es etwas unehrlich, wenn man etwa so tut, als wäre eine mit deutschem Text versehene Spiritualmelodie etwas Urösterreichisches. Solange wir noch nicht über genügendeviele Eigenkompositionen verfügen, sollen wir ruhig dazu sagen, worum es sich im konkreten Fall handelt. Es ist nämlich besser, der einfache Kirchenbesucher weiß, daß es sich um einen religiösen Gesang der amerikanischen Negerbevölkerung oder um einen Gospel-Song hundelt, als er hält das gesamte Repertoire für billige schlagermusik. Ich glaube nicht, daß wir uns gerade als Österreicher dafür schämen 3-
müssen, wenn wir ausländische oder außereuropäische Melodien übernehmen. Erstens haben wir auch heute noch genügend eigen-ständiges Musikschaffen als daß der Eindruck entstehen könnte, wir seien musikalisch eine reine Importfirma. Und zweitens haben wir immer Wertvolles aus dem schaffen anderer Völker übernommen. Han denke nur an das reiche Erbe slawischer Nusikelemente: von der großen Symphonie bis zur Heurigenmusik spürt man sie überall durch. Ähnlich ist es mit dem romanischen Einfluß ohne das ita-lienische Musikschaffen wäre die Blüte unserer Barock- und Rokoko-musik undenkbar. Also bitte keine Angst vor überfremdung I Der Worbeeffekt nolerner Rhythmen hat câno wichtige pastorale Funktion.
Vielfach wird darauf hingewiesen, da. “Jazzmessen” hauptsächlich von “Jazzfans besucht würden, die sonst das ganze Jahr keine Kirche von inne sähen. Zu dieser als Einwand vorgetragenen Erklärung kann man nur sagen, daß sie ein starkes Argument für die Rhythmusmesse ist. Wie heißt es im Evangelium: “Hehr Freude im Himnol wird sein über einen Sünder, der sich bekehrt, als über eunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen “(Luk.15,7). Wo gibt es denn eine Rhythmusnesse, die nur aus rhythmischen Gesängen bestände, in der der Zelebrant nicht Gelegenheit zu einer gerade auf seine meist jugendlichen Zuhörer abgestimmten, aufrüttelnden Predigt hätte und in der die “Lauen” nicht den Eifer derer sähen, die zu Christus bereits echt gefunden haben. Ich bin also der Meinung, wir sollten die Rhythmus messen geradezu als gezielte Werbung für unsere ‘Rand-schichten” benutzen, für jene, die abseits stehen, ohne bewußt Gegnarrzu sein. Allen jenen, die der christlichen Religion unbewust oder bewußt das Stigma der Antiquiertheit und Konservativität auf-prägen wollen, sei gesagt: Christus hat seine Kirche nicht für eine bestimmte Zeit und nicht für eine bestimmte Kultur geschaffen, sondern für “alle Völker”. Er versprach uns, “bis ans Ende der Zeiten” bei uns zu bleiben, wenn wir ihn in unsere Mitte nehmen inden wir uns in Soinem Namen versammeln. Die Versammlung um den Tisch des Herrn aber oder ein Beissrmensein zum Lobpreise Gottes ist an keine be-stimmte Kunstrichtung gebunden weder an eine architektonische, noch an eine musikalische “Schule”. Es soll vielmehr ein echtes, ein packendes Erlebnis sein.
Und deshalb bin ich für die Rhythmusmesse.
