2012 Besprechung Guggenberger 2 S.

Buchbesprechung


Peter Diem: Leopold Guggenberger – der Bürgermeister

Dieses kluge, umfassend recherchierte und gut ausgestattete, Buch ist ein vorweg genommenes Geburtstagsgeschenk. So Gott will, wird Leopold Guggenberger am 8. September 2013 sein 95. Wiegenfest feiern. Gläubigkeit, Humanismus und Toleranz prägten die Amtszeit des langjährigen Klagenfurter Stadtoberhaupts. Mit fast einem Vierteljahrhundert war er der bisher längst dienende demokratisch gewählte Bürgermeister der Kärntner Landeshauptstadt. Dabei war “Guggi” kommunalpolitisch äußerst erfolgreich, “sei es durch sein besonderes Talent als Kommunikator, sei es durch seine vom einfachen Menschenverstand getragene politische
Haltung, sei es durch viel Glück oder durch einen scharfen analytischen
Geist…, ” schreibt sein Biograph Peter Diem. Unter Guggenberger wurde
die Nordumfahrung Klagenfurts gebaut, Klagenfurt wurde zur Sportstadt.
Ein besonderes Anliegen waren ihm Städtepartnerschaften, in seiner
Amtszeit verdoppelte sich deren Zahl auf 16 – darunter in Europa, China,
Israel und Kanada. “Infolge seiner weit über die Stadtpolitik
hinausreichenden Denkweise geht man nicht fehl, wenn man Leopold
Guggenberger als einen heimlichen österreichischen Staatsmann
bezeichnet, dessen Hauptanliegen Versöhnung und Frieden waren,” meint
Diem. Er geht auch auf die Hobbies des Politikers ein. Neben der Vorliebe
des Klagenfurter Barden für das Gitarrespiel und die Kärntner Lieder
zählen dazu die Mitgliedschaft bei der CV-Verbindung “Rudolfina” und
zahlreichen Vereinen.
Am Feiertag Mariä Geburt im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs wurde
Leopold Guggenberger in Niederösterreich als Kriegswaise geboren. In
Wien besuchte er das Schottengymnasium, studierte Jus und engagierte
sich in katholischen und ständestaatlichen Organisationen. Den Zweiten
Weltkrieg machte er u. a.in Narvik (Dänemark) und Russland mit. 1944
heiratete der 26-Jährige die Wiener Professorentochter Elisabeth Havers,
die 1979 Opfer eines Verkehrsunfalls wurde. Das Ehepaar hatte acht
Kinder, seine Tochter Barbara trug wesentlich zum Gelingen des Buches
bei.


Neben verschiedenen Publikationen konnte sich der Autor einer
besonderen Quelle bedienen: einer 40 m langen Rolle, auf der Mitarbeiter
des Klagenfurter Magistrats, anlässlich der Pensionierung ihres Chefs, die
Chronik seiner kommunalpolitischen Tätigkeiten aufgelistet hatten.
Geschichte und Geschicke der Stadt am Wörthersee sind aber nicht die
einzigen Themen, die Peter Diem beleuchtet. Er beginnt das mit vielen
Fotos angereicherte Buch mit dem Curriculum Vitae unter der Überschrift
“Ein Wiener mit Wurzeln im Lesachtal”. Daran schließen die ersten
politischen Aktivitäten Guggenbergers an. Als er in den Parlamentsklub
einzog, war der “Neo-Politiker” schon 48 Jahre alt, doch machte sich der
“unberechenbare Idealist” bald einen Namen – nicht zuletzt durch sein
provokantes Auftreten. 1970-1978 war er dann Abgeordneter im Kärntner
Landtag.
Die erste Amtsperiode des “Bürgermeisters der besonderen Art” dauerte
von 1973 bis 1978. Er legte ein modernes kommunalpolitisches Programm
auf der Basis christlich- sozialer Grundsätze vor, hatte ein Herz für die
Umwelt und vor allem für die Bürgerinnen und Bürger. Seinem Motto “Das
Notwendige vor das Repräsentative stellen” blieb er auch in der zweiten
(1979-1985), dritten (1985-1991) und vierten Periode (1991-1997) seiner
Amtszeit treu. Der Biograph ist ein getreuer Chronist, aber kein
Schönfärber. Auch problematische Begegnungen – etwa mit Jörg Haider,
dem militanten Nationalsozialisten Walter Reder oder den Teilnehmern der
Ulrichsbergtreffen – finden Platz.
Selbst im Unruhestand bleibt der Bürgermeister ein interessierter
Beobachter und, so sein Selbstbild, “der Unangepasste”. Für die
Klagenfurter ist ihr “Guggi” der “Bürgermeister der Herzen”, konstatiert
Peter Diem.

Quelle: Nid-Library