Der optimale Internetauftritt der Gemeinde
Projekt zur Erstellung von Musterwebsites für die österreichischen
Gemeinden unter besonderer Berücksichtung der
Implementation von E-Government
Ausgearbeitet für den Österreichischen Gemeindebund
von Dr. Peter Diem
Wien, am 18. Juli 2004
Inhaltsübersicht:
1. Management Summary
2. Generelle Bestandsaufnahme
3. Zur Verfügung stehende Methoden
4. Konkrete Projektschritte
5. Zeitplan
6. Kosten
7. Abschließende Bemerkungen
1. Management Summary
Jüngste Untersuchungen des Instituts FESSEL-GfK haben ergeben,
dass die Nutzung der Websites der österreichischen Gemeinden
(50-55% regelmäßige Besucher) deutlich über der Nutzung der
Bundesangebote, aber auch über jener der Sites der Bundesländer
liegt. Je näher ein Internetauftritt am Bürger, umso wichtiger ist er und
umso höher ist seine Nutzung. Den kommunalen Internetangeboten
kommt somit große Bedeutung für BürgerInnen, Wirtschaftstreibende
und Tourismus zu. Gleichzeitig zeigt jedoch eine erste Durchsicht
der Websites aller Bezirksvororte sowie einer Stichprobe von rund
80 weiteren Gemeinde-Homepages, dass sehr große regionale und
qualitative Unterschiede bestehen und nur eine Minderheit der
Angebote wirklich allen Anforderungen einer optimalen kommunalen
Website entspricht.
Aus diesem Grunde wird hiermit ein Projekt vorgelegt, das nach
Durchführung einer ausreichenden Anzahl von empirischen
Erhebungen (v.a. demoskopische Analysen der Websites von
Testgemeinden) die gewonnenen Daten als Grundlage für die
Ausarbeitung eines gedruckten Handbuches und eines digitalen
Leitfadens auf http://www.kommunalnet.at verwendet.
Der zeitliche Rahmen des Projekts kann nach ersten Schätzungen mit
4-5 Monaten angegeben werden, die zu erwartenden Kosten liegen je
nach Umfang der beauftragten empirischen Untersuchungen bei einem
Gesamtbetrag von EUR 30.000.- bis 40.000.-
Im Folgenden werden die möglichen Methoden erläutert und ein
Vorschlag für die praktische Durchführung des Projekts erstellt.
2. Generelle Bestandsaufnahme
Jedes strategisch angelegte Projekt beginnt mit einer Analyse des
bestehenden Zustandes. Es ist die Frage zu beantworten, wo stehen die
österreichischen Gemeinden in Bezug auf ihre Präsenz im Internet, wie
sieht das gegenwärtige digitale Angebot der Kommunalverwaltungen an
Gemeindebürger, Wirtschaftstreibende, Touristen und die spezielle
Zielgruppe der Gemeindebediensteten aus?
Nach jüngsten Informationen sind rund 97 Prozent der 2.359
österreichischen Gemeinden im Internet vertreten. Es wird den
kommunalpolitischen Fachmann nicht überraschen, wenn eine erste
Bestandsaufnahme dieser Internetpräsenz große Vielfalt und große
Unterschiede aufzeigt. Diese Vielfalt hat eine Reihe von Ursachen: der
föderalistische Aufbau Österreichs mit seinen gewachsenen regionalen,
politischen und verwaltungstechnischen Unterschieden und Prioritäten ist
der erste Grund dafür, warum es in der Praxis keine Einheitlichkeit gibt und
geben kann. Dazu kommt die an sich auf Vielfalt angelegte Grundstruktur
des Internets, das keine inhaltlichen, sondern höchstens technische
Gesetzmäßigkeiten kennt. Weiter ist die Vielfalt von Berufen und
Ausbildungsformen zu erwähnen, die für die beamtete und ehrenamtliche
Tätigkeit in den Gemeinden charakteristisch ist und die natürlich auch für
die Autoren der österreichischen Gemeinde-Homepages gilt. In vielen
Gemeinden hat man schon sehr früh die Möglichkeiten und Chancen des
Internets erkannt, in anderen erst vor relativ kurzer Zeit. So haben vor
allem Tourismus-Gemeinden die Vorteile weltweiter Internetpräsenz früh
erkannt, was sich in manchen Fällen auch in einem Zwei- oder
Mehrfachauftritt einer einzigen Gemeinde niederschlägt. Eine Website, die
sich hauptsächlich der Fremdenverkehrswerbung widmet, muss anders
aussehen als ein schwerpunktmäßig auf den elektronischen Amtsweg
ausgerichtetes Angebot. Des weiteren wird ein Internetauftritt in der Regel
von einer der vielen in Österreich und im Ausland tätigen kommerziellen
Agenturen oder einem Internet-Provider gestaltet bzw. verfügbar gemacht –
ein weiterer wichtiger Grund für große inhaltliche, formale und qualitative
Unterschiede. Schließlich spielt sicher auch die Gemeindegröße eine Rolle
– sowohl was den Umfang der kommunalen Aufgaben als auch was die
jeweilige Finanzkraft betrifft.
Es soll bereits an dieser Stelle in aller Deutlichkeit betont werden:
Ein Projekt zur Erstellung von Musterwebsites für die österreichischen
Gemeinden muss auf die unterschiedlichen Gegebenheiten Rücksicht
nehmen und soll nicht die Ambition haben, alles über einen Leisten zu
schlagen und einer „Einheits-Website“ das Wort zu reden. Worum es bei
diesem Projekt geht, ist die Erarbeitung von Mindeststandards und die
Zusammenstellung von Ratschlägen auf Grund empirischer Befunde – um
nicht mehr, aber auch um nicht weniger.
Wie beschreibt man den Ist-Zustand von etwa 2.500 kommunalen
Internetauftritten, ohne eine kosten- und zeitaufwendige Totalerhebung
durchgeführt zu haben? Und ohne der Beliebigkeit oder der Einseitigkeit
geziehen zu werden? Der einzige gangbare Weg hiefür war die
Stichprobentechnik. Während es möglich war, alle Websites der rund 100
österreichischen Bezirksvororte einer ersten Durchsicht zu unterziehen,
mussten die übrigen Gemeinden einer repräsentativen Auswahl
unterworfen werden. Es wurde daher die Website genau jeder
30. Gemeinde aus der offiziellen Liste ausgewählt und einer ersten,
kursorischen Betrachtung unterzogen. Dazu trat die Durchsicht der
Homepages der acht Landeshauptstädte und der beiden vom IKT-Board zu
so genannten „Mustergemeinden“ erklärten Kleingemeinden InzersdorfGetzersdorf und Weikersdorf am Steinfeld. Auch ausländische Beispiele
wurden zum Vergleich herangezogen. Insgesamt ergab sich daraus ein
sehr buntes Bild, das auf die oben beschriebenen Faktoren zurückgeht.
Daneben erbrachte diese „Rohanalyse“ aber auch die Möglichkeit, die
Internetauftritte einiger Gemeinden im Sinne einer „Ausgangshypothese“
als besonders gut gelungen zu bezeichnen, andere wieder als offenbar
unzureichend zu qualifizieren. Eine Liste von je zehn positiven und je 10
negativen Beispielen wird im Abschnitt 3
dieses Projektes Verwendung finden.
Die zur Vorbereitung dieses Projektes durchgeführte erste
Überblicksbetrachtung hat darüber hinaus das Auge für eine Reihe von
spezifischen Fragestellungen geschärft, die bei der vorzuschlagenden
empirischen Studie von großer Bedeutung sein werden. Neben den
bekannten Dimensionen der „Website-Usability“ wie Informationsgehalt,
Aktualität, Benutzerfreundlichkeit etc. sind dies vor allem die genaue
Zielgruppenorientierung, der Einsatz des Mediums Bild, E-GovernmentOrientierung, Barrierefreiheit, die heraldische Dimension, d.h. der Einsatz
des Gemeindewappens, Menüführung, Suchmaschinen etc.
So steht mittlerweile fest, dass die optimale Homepage ihre wichtigen
Zielgruppen (Gemeindebürger, Touristen, Wirtschaftstreibende, Jugend,
Familie, Senioren, Verwaltung) so ansprechen muss, dass diese einen
mühelosen, direkten Zugang auf die für sie relevanten Daten erhalten.
3. Zur Verfügung stehende Methoden
Als Konsulent für Internetforschung des führenden österreichischen
Marktforschungsinstituts FESSEL-GfK befasse ich mich seit nunmehr
schon fast fünf Jahren mit der Entwicklung von verlässlichen
demoskopischen Methoden, mit denen die Zahl und Struktur der
Besucher von Websites, vor allem aber ihre Wünsche und Interessen und
damit ihre Anforderungen an ein Internetangebot bestimmt werden können.
Es ist allgemein bekannt, dass es die Servertechnik erlaubt, jederzeit
Statistiken über die digitalen Zugriffe auf eine Homepage und ihre
Unterseiten zu erstellen („Logfile-Analysen“).
Diese Statistiken beanspruchen infolge ihrer objektiven technischen
Entstehung auch große Relevanz für sich. Leider steht diesem Anspruch
aber ein großes Manko gegenüber: man weiß nie, WER hinter den
tausenden „Page Impressions“ und „Visits“ steht und WAS diese Besucher
im Auge hatten, als sie die betreffende Gemeinde-Hompage aufschlugen.
Daher ist der Einsatz demoskopischer Methoden eine unabdingbare
Notwendigkeit. Diese Methoden zerfallen in zwei Gruppen:
a) Qualitative Methoden
Darunter sind Forschungsansätze zu verstehen, die nicht auf die große
Zahl von Befragten, aber auf eine große Tiefe von Auskünften abstellen.
So bietet sich etwa die Methode der Gruppendiskussion an, wenn man Pro
und Contra eines kommunalen Internetangebots mit der jeweiligen
Zielgruppe ermitteln will. Die folgenden beiden Graphiken stellen diese
Methode dar:
Neben der Gruppendiskussion gibt es die Methode der psychologischen
Einzelexploration, des so genannten „qualitativen Webtests“, bei welcher
Angehörige der Zielgruppe ins Institut geladen werden und an einem PC
die Gemeindesite besuchen. Hier der Aufbau dieser Methode:
Bei 20-30 Einzelexplorationen wird die gesamte Surftätigkeit inklusive aller
mündlichen Äußerungen der Versuchspersonen mittels Scan Converter (d.h.
direkt, ohne Kamera) auf Video aufgezeichnet und nach Vorliegen von etwa
30 derartigen Protokollen gesamthaft analysiert. Damit erhält man genaue
Auskünfte über die tatsächliche Benutzerfreundlichkeit eines Webauftritts
und die diesbezüglichen Publikumswünsche. Die Methode hat sich bei den
Websites von Banken und Versicherungen bereits bestens bewährt, weil es
sich bei dieser Anordnung herausstellt, wie es einem Besucher wirklich
„ergeht“, wenn er z.B. eine „Intro“ loswerden muss, bis er endlich dort
hinkommt, wohin er wirklich will, nämlich zu einer fachlichen Information,
einem Formular etc.
b) Quantitative Methoden
Hier gibt es ebenfalls zwei verschiedene Möglichkeiten: den sogenannten
„Pop up-Test“ und den „Quantitativen Webtest“. Betrachten wir zunächst
den ersteren, weil er sich besonders dafür eignet, die notwendigen Daten
schnell, verlässlich und kostengünstig zu gewinnen. Hier eine Graphik zur
Erläuterung der Funktionsweise des Pop up-Tests:
Der Pop up-Test beruht auf einer Zufallsauswahl der Besucher einer
Gemeinde-Website. Jedem n-ten User, also z. B. jedem 10. Besucher, der
auf die Website http://www.kufstein.at geht, wird nach einer bestimmten
Verweildauer (z. B. nach einer Minute) ein Fenster geöffnet, das
verschiedene Fragen zu dieser Website enthält. Dabei geht es zunächst
darum festzustellen, WER der betreffende Besucher ist (Alter, Ort,
Zielgruppe etc.). Es wird dabei also erhoben, ob es sich um einen jüngeren
oder älteren Gemeindebürger, um einen Wirtschaftstreibenden oder einen
Touristen aus Holland handelt. Besonders wichtig ist auch die Frage, WAS
der Nutzer der Website gesucht hat. Die diesbezügliche Auswertung gibt
Auskunft über die inhaltlichen Prioritäten der Nutzerschaft. Es folgen
Fragen zur Aktualität des Inhalts, zum Design, zur Benutzerfreundlichkeit
etc. Einige dieser Fragen wurden bereits operationalisiert, d.h. es bestehen
„Benchmarks“ an denen man die Güte einer Website messen kann (0-10
Punkte). Die Graphik erläutert dies:
Empirische Untersuchungen von FESSEL-GfK haben schlüssig ergeben,
dass vier von acht Dimensionen einer öffentlich-rechtlichen Website von
großer Wichtigkeit sind. Wie sich aus der orangen Kurve ergibt, sind
Informationsgehalt, Aktualität, praktischer Nutzen sowie Speed und
Benutzerfreundlichkeit (8-9 Punkte von 10 möglichen) die entscheidenen
Kriterien. Je besser diese von einer Website erfüllt werden, umso größer ist
deren Anwert beim Publikum. Hier sieht man, dass die wichtigen
Dimensionen nach einem Relaunch der Site gegenüber der Erstfassung
deutlich verbessert werden konnten.
Bei der Durchführung eines Pop up-Tests wird wie folgt vorgegangen:
Aufgrund einer Rohanalyse der Website und eines Gesprächs mit ihren
Gestaltern wird ein Fragebogen erstellt, der neben den notwendigen
Standardfragen auf gemeindespezifische Problemstellungen eingeht.
Ist der Fragebogen abgeklärt, ist es nur erforderlich, dass der zuständige
Webmaster einen kurzen Skript in den Quelltext der Site einfügt. Alles
andere erledigt das Institut mit seiner Technologie – bis hin zur Auswertung
der Studie und der Berichtslieferung. Damit der sich jedem n-ten Besucher
öffnende Fragebogen nicht als Werbefenster missverstanden wird,
erscheint vorerst eine Info-Box, die darauf hinweist, dass es sich um eine
Gemeindebefragung handelt.
Anmerkung: Umfragen mittels eines Links auf einer Seite erbringen keine
für alle User repräsentativen Ergebnisse („Selbstrekrutierung“).
b) Der quantitative Webtest
Eine zweite Möglichkeit, verlässliche Auskünfte über die Funktion von
Gemeinde-Websites zu erlangen, wäre die Befragung einer repräsentativen
Auswahl von Internet-Nutzern Österreichs. Dies wäre allerdings nur mit
Hilfe einer relativ großen Stichprobe sinnvoll, um auch länderweise
Auswertungen zu ermöglichen. In einem derartigen Fall würden etwa 2.000
österreichische Internet-User aus dem 16.000 Personen umfassenden
Adresspool von FESSEL-GfK ausgewählt und dazu eingeladen, einen für
sie am Internet wartenden Fragebogen zum Thema „GemeindeHomepage“ auszufüllen. Die Ergebnisse wären dann allgemein gültig, also
nicht auf eine spezifische Gemeinde-Website bezogen. Will man sehr
detaillierte Auskünfte, müsste eine eigene
Studie ins Feld gegeben werden, genügen wenige Frage, könnte man auch
bei einer Internet-Mehrthemen-Studie mitmachen, was Kosten sparen
würde.
c) Professionelle Inhaltsanalysen
Schließlich soll noch darauf verwiesen werden, dass es natürlich möglich
wäre, neben den kursorischen Website-Analysen, die diesem
Projektvorschlag zu Grunde liegen, ausführliche, operationalisierte, d.h.
ziffernmäßig belegte Inhaltsanalysen durchzuführen. Dabei würden alle
Themen/Unterseiten, Designs, Instrumente und Besonderheiten genau
vermessen. Dass das zeitaufwendig und teuer ist, versteht sich von selbst.
Soweit die Darstellung aller konkret zur Verfügung stehender Methoden.
Was davon tatsächlich gemacht werden soll, welche Kosten dafür
entstehen und welcher Zeitrahmen vorzusehen ist, darüber wird im
nächsten Teil Auskunft gegeben.
4. Konkrete Projektschritte
A) Festlegung der geeigneten Methode
Es gibt immer eine maximale, eine minimale und eine optimale Lösung.
a) Maximal wäre folgende Vorgangsweise: in ausführlichen Beratungen mit
den zuständigen Vertretern von Gemeindebund, Gemeinden, Verwaltung
und Technik werden 10-12 Gemeinden ausgewählt, deren Websites als
Testobjekte dienen sollen. Zunächst wird eine qualitative Vorstufe
durchgeführt. Eine Gruppendiskussion mit Internetusern aus einer
Gemeinde in der Nähe Wiens (z. B. Mödling) oder ein qualitativer Webtest
mit 20 Usern ergibt allgemeine Auskünfte über die Nutzung kommunaler
Internetangebote in Österreich. In der Folge werden sechs besonders gute
und sechs deutlich weniger gute Websites jeweils einem Pop up-Test
unterzogen. Daneben wird eine allgemeine Internet-Befragung in ganz
Österreich durchgeführt, in welcher mittels offener und geschlossener
Fragen erhoben wird, welchen „Zustand“ die User gegenüber ihren
jeweiligen Gemeinde-Websites haben. Da ja mehr als 50 Prozent aller
Internetnutzer regelmäßig ihre Gemeinde im Netz besuchen, könnten bei
2.000 erreichten Interviews 1.000 Personen konkret Stellung nehmen, was
sie suchen und welche Probleme es geben könnte. Weiter könnten
stichprobenartige Inhaltsanalysen von
gut gelungenen und weniger gelungenen Sites in Auftrag gegeben werden.
Vorteil dieser Vorgangsweise: hohe Genauigkeit, viele Daten
Nachteil: lange Laufzeit des Projekts, hohe Kosten.
b) Minimal wäre ein Untersuchungsansatz, der sich damit begnügt, in einer
„guten“ und einer „schlechten“ Gemeinde je einen Popup-Test
durchzuführen oder in eine Mehrthemen-Umfrage einige Fragen
allgemeiner Natur zum Thema „Gemeinde-Homepage“ einzuschalten.
Vorteil: relativ rasch und kostengünstig durchführbar
Nachteil: oberflächlich, zu wenig Rücksicht auf die Vielfalt der
österreichischen Kommunal-Landschaft
c) Als optimal wird aus pragmatischen Erwägungen die im Folgenden
beschriebene Vorgangsweise empfohlen.
Dabei wird von der Durchführung einer qualitativen Vorstufe v.a. aus
Kosten- und Zeitgründen abgeraten. Wenn es auch die eigentlich
„vollprofessionelle“ Vorgangsweise wäre, mit Gruppendiskussionen oder
Einzelinterviews Ausgangshypothesen und Fragebögen vorzubereiten, so
kann auf Grund des Fachwissens des vorgeschlagenen Projektleiters
davon Abstand genommen werden.
B) Konkrete Auswahl der Testgemeinden
Im kleinen Kreis werden die „Testgemeinden“ bestimmt. Die Auswahl kann
u.a. aus folgenden Gemeinden getroffen werden:
→ Gemeinden mit gutem Internet-Angebot:
Dornbirn, Salzburg, Villach, Linz, Graz, Judenburg, Irdning, Eisenstadt,
Velden, Mödling, Karlstein a.d. Thaya, Inzersdorf-Getzersdorf,
Dürnstein, Hollenstein a. d. Ybbs.
→ Gemeinden mit eher unzureichendem Internet-Angebot:
Bregenz, Imst, Hallein, Eferding, Grieskirchen, Rohrbach, Knittelfeld,
Deutschlandsberg, Krengelbach, Liebenfels, Marbach, Neunkirchen,
Baden, Gänserndorf, Korneuburg, Mistelbach, Scheibbs, Mattersburg,
Edelsbach, Neuhaus am Klausenbach.
Es wird empfohlen, zumindest zwei „gute“ und drei „schlechte“ Sites
auszuwählen. Mehr wäre freilich besser. Bei der Auswahl ist u.a. auf
die regionale Streuung, den Tourismusfaktor, die Einwohnerzahl und u.U.
auf die politischen Mehrheitsverhältnisse zu achten. Daneben ist natürlich
die jeweilige (auch technische) Kooperations- und
Mitfinanzierungsbereitschaft zu berücksichtigen. Wie schon besprochen,
ergibt sich für jede teilnehmende Gemeinde ein unmittelbarer Vorteil:
Publikumsstruktur, inhaltliche und formale Zufriedenheit etc. – die
diesbezüglichen Ergebnisse werden der betreffenden Gemeinde berichtet
und können zur Verbesserung des Internetauftritts herangezogen werden.
Anmerkung: Je kleiner eine Gemeinde ist, umso länger kann es dauern, bis
eine entsprechende Anzahl von ausgefüllten Fragebögen durch den Popup hereinkommt – in Groß- und Mittelgemeinden werden 500-1.000 Fälle
empfohlen, in Kleingemeinden sollten 200-300 Fälle reichen.
C) Einschaltung einiger allgemeiner Fragen in eine Internet-Studie
Der relativ geringe Kostenaufwand, der mit der Aufnahme einiger Fragen in
eine Mehrthemenumfrage verbunden ist, lässt es geraten erscheinen,
neben den 5-10 Pop up-Tests rund ein Dutzend allgemeingültige Fragen
zur Nutzung der eigenen Gemeinde-Website unter Internet-Usern bei
bundesweit n = 1.000 Befragten zu schalten.
D) Desk-Research
Während der Zeit, in der die empirischen Grundlagenstudien
(Pop up-Tests und Mehrthemen-Umfrage) laufen, wird der Projektleiter eine
Reihe von Modellen und Hypothesen ausarbeiten. Aufgrund von
persönlichen Gesprächen, Studium von Sites und unter Zuhilfenahme
bisheriger Untersuchungsergebnisse werden in dieser Phase die
„theoretischen Anforderungen an eine optimale Gemeinde-Website“
erstellt. Wenn dann die empirischen Ergebnisse vorliegen, wird sich zeigen,
was davon den tatsächlichen Erfordernissen standhält.
E) Auswertung der Daten
Damit sind wir schon in der Auswertungsphase angelangt. Es ist eine
Besonderheit der Internetforschung, dass man sich verschiedene
Auswertungsstandards wünschen kann. Beispiel offene Fragen:
Sollen die Antworten „vercodet“, d.h. Begriffen zugeordnet und ausgezählt
werden, entstehen hohe Kosten. Genügt die Lieferung aller Antworten in
alphabetischen Listen, besteht kein Mehraufwand.
Es wird empfohlen, zwar genügend offene Fragen in die Pop-ups
aufzunehmen, diese aber nicht aufwendig auszuwerten.
Sobald die ersten Ergebnisse vorliegen – bei Großgemeinden kann das
sehr rasch gehen – wird zunächst eine Online-Zählung gemacht, die
innerhalb weniger Tage vorliegt. Sie genügt, um mit der Berichterstellung
zu beginnen.
F) Berichtlegung über den empirischen Teil
Da es sich, wie erwähnt, bei diesem Projekt um demoskopische Forschung
via Internet handelt, muss nicht auf langwierige Vercodungs- und
Auswertungsvorgänge gewartet werden. Berichte können schon entstehen,
während Teile der Untersuchung noch im Feld sind. Gedacht ist an ein bis
zwei Zwischen- oder Rohberichte, denen ein ausführlicher schriftlicher
Endbericht mit eingebauten Graphiken und dem Textteil angeschlossenen
Tabellen folgt. Diese Vorgangsweise gibt dem Projekt große Elastizität,
sodass auch noch während der Laufzeit Modifikationen möglich sind – z.B.
die Hinzunahme einer weiteren Testgemeinde.
5. Zeitplan
a) Dauer der Pop up-Tests
Es wurde bereits erwähnt, dass der Einsatz von Pop up-Tests
unterschiedliche Abläufe nach sich ziehen kann. Ein Beispiel:
Mödling hat eine Wohnbevölkerung von rund 20.500 Personen.
Wenn man annimmt, dass unter diesen Personen etwa 12.000 InternetUser sind und von denen wieder etwa ein Drittel zu den regelmäßigen
Besuchern der Website gehören, so kommt man auf 4.000 Personen.
Setzt man die Zufallsauswahl bei jedem vierten an, so würden im Laufe
einiger Wochen 1.000 User angesprochen, von denen wohl 300-500
antworten würden. Genau kann die Dauer der Untersuchung erst nach
etwa einer Woche bestimmt werden, denn man kann bei der
Internetforschung schon nach wenigen Tagen das Ergebnis genau
vorausberechnen. Bei Graz wäre die Ausbeute natürlich zehnmal so hoch,
während sie etwa bei Karlstein an der Thaya weit darunter läge, sodass
man mit einer sehr langen Laufzeit rechnen muss, um genügend Antworten
zu bekommen. Von diesem Standpunkt her wird man wohl auf ganz kleine
Gemeinden verzichten müssen.
Es wird geschätzt, dass man – je nach gewählten Gemeindegrößen – mit
einer durchschnittlichen Laufzeit von 2-3 Monaten rechnen muss, bis die
gewünschten Fallzahlen erreicht sind. Doch sei noch einmal darauf
verwiesen, dass die Internetforschung zu jedem Zeitpunkt – also auch
schon nach wenigen Tagen oder Wochen – Zwischenauswertungen erlaubt.
b) Mehrthemenumfrage
Die Einschaltung von allgemeinen Fragen in eine Mehrthemenuntersuchung nimmt üblicherweise 14 Tage bis einen Monat in Anspruch.
c) Gesamtlaufzeit und Berichtlegung
Bei einem angenommenen Projektstart im September 2004 und einer
geschätzten Gesamtlaufzeit des Projekts von etwa vier Monaten würde der
Endbericht zu Jahresbeginn 2005 vorgelegt werden können. Wie aber
schon erwähnt wurde, ist an die Erstellung von Zwischenberichten gedacht
– etwa per Ende Oktober und Ende November. Je nach den Ergebnissen
des empirischen Teils wird entschieden werden, ob ein einziges Modell,
zwei oder drei Formen einer optimalen Website (abhängig von der
Gemeindegröße) ausgearbeitet werden.
6. Kosten für das „optimale“ Untersuchungs-Modell
Der erforderliche finanzielle Aufwand errechnet sich modular:
a) Pop up-Test → bis 1.000 vollständige Interviews je nach Zahl der
gestellten Zusatzfragen ca. EUR 4.500.- plus MWSt.
(FESSEL-GfK)
b) Mehrthemeneinschaltung → pro Frage ca. EUR 300.- plus MWSt.
(FESSEL-GfK)
c) Honorar Projektleiter → 10% der Summe der Untersuchungen,
mindestens jedoch EUR 2.500.-
d) Erstellung eines Handbuches → auf der Basis der endgültigen
Untersuchungsergebnisse und eventuell noch durchzuführender
Diskussionen und Recherchen wird eine illustrierte Druckfassung und eine
Internetfassung für „kommunalnet.at“ erarbeitet: EUR 1.500.-
Unter der Annahme, dass nur 5 Pop Up-Tests und eine MehrthemenEinschaltung von 15 Fragen erfolgt, ergeben sich somit folgende Kosten:
5 Pop-up Tests á 4.500.- EUR 22.500.- plus MWSt
15 Fragen MTU á 300.- EUR 4.500.- plus MWSt
Projektleitung EUR 2.700.- ohne
Handbuch(Druck u. Internet) EUR 1.500.- ohne
EUR 31.200.- plus
Anmerkung:
1. Zwei Drittel dieser Kosten könnten ev. von den gewählten
Testgemeinden getragen werden, denen die Ergebnisse „ihres“
Pop up-Tests ja zur Verfügung gestellt würden.
2. Die Kosten einer Gruppendiskussion liegen bei ca. EUR 4.000.-,
ein qualitativer Webtest (20-30 Explorationen im Labor) erfordert rund
EURO 7.000.- Beides wäre möglich und auch sinnvoll, wird aber
aus Zeit- und Kostenerwägungen nicht empfohlen.
Näheres zu den Preisen von Produkten der Onlineforschung (z.B. OnlineGruppendiskussion, Qualitativer Webtest etc. ) siehe:
http://www.gfk.at/EN/product/onlineresearch/default.asp
7. Abschließende Bemerkungen
Es versteht sich von selbst, dass ein Forschungsprojekt mit der Ambition,
für 2.500 Gemeinden und deren Gemeindebediensteten gültige Aussagen
über die Optimierung der jeweils eigenen Gemeindewebsite zu treffen,
methodologisch sehr sorgfältig angelegt sein muss. Dennoch wird man aus
Zeit- und Kostengründen, vielleicht auch aus anderen Rücksichten, diverse
Kompromisse schließen müssen. Dabei sollten einige Punkte beachtet
werden:
a) Im Hinblick auf die Bedeutung des Tourismus für die
österreichischen Gemeinden müssen Fremdenverkehrs-gemeinden
in den Testgemeinden prominent vertreten sein.
b) Gemeinden mittlerer Größe (20.000 – 100.000 Ew.) bieten sich
als Testgemeinden an, weil die Untersuchung der Website infolge
der höheren Besucherzahl schneller abgeschlossen werden kann
c) Dennoch ist die Kleingemeinde in mehrfacher Hinsicht die
eigentliche Zielgruppe des Projekts, weil viele dieser kleineren
Kommunen erst eine rudimentäre Homepage (oft via einen
Landesserver) besitzen oder diese „privat“ zusammengestellt wurde
und daher noch genügend Flexibilität für einen Relaunch vorhanden
ist.
Wichtig ist auch noch die Feststellung, dass in diesem Papier ein
demoskopisches und kein technisches Projekt vorgeschlagen wird.
Der Projektleiter ist Markt- und Medienforscher, nicht Webdesigner oder
Experte für elektronische Verwaltung. Er stellt sich die Aufgabe, Struktur
und Bedürfnisse der Kunden österreichischer Gemeinde-Websites zu
beschreiben und bestehende Lösungsvorschläge aufzulisten, kann aber
keine technischen Umsetzungsvorschläge machen. Gleichzeitig besteht
aber natürlich die Bereitschaft, mit einem (gesondert honorierten) WebsiteDesigner oder Internet-Techniker zusammenzuarbeiten, wenn dies für
sinnvoll erachtet wird. In einem solchen Fall könnte der Endbericht auch
bereits konkrete Umsetzungsvorschläge beinhalten.
