2005 CV Heldentum im Liedgut 3 S.

Peter Diem, Rd
Heldentum im traditionellen Liedgut
Hier geht es um die Frage, welche Rolle dem Helden und dem Hel-dentum im traditionellen Liedgut eingeräumt wird.
Während der zwölf Monate meiner Militärdienstzeit (1961/62) hatte ich zu sammen mit meinem lieben Freund Heinz Wille, AW, bei diversen Märschen manch aufmunterndes Soldaterdied an-zustimmen. Darunter war auch das da mais fünf Strophen umfassende Po lenkind”, das auf den liefehl Ein Lied!” mehe gebrüllt als gesungen wunde. Hier die erste und die letzte Strophe.
1. In einem Polenszädchen, da wohuste eist ein fündchen. Sie war so schön!
le Sie war das allerschönste Kind, das maat in Polen final, aber nein, aber neia, sprach sir, ich küsse nie!
5. Es fielen die Granaten, es fielen die Saldaten. Da fiel anch er.
Mauschka, weise nicht zu sehr, dein Schatz kommt numnermehir, er starb den Heidenti für Rot-Weiß-Rot
Ich weiß nicht, ob diese 5. Strophe beim Bundesheer heute noch gesungen wird-bei allen im Internet auffindba ren Versionen des besagten Liedtextes
fehlt sie jedenfalls ein deutiches Zei chen für den Wandel, den die Einstel lung zum Heldentum durchgemacht hat. Ein anderes bekanntes Soldaten-lied, das mit dem Hinweis auf einen möglichen Tod zu Ehren des Vaterlan-des endet, ist das sogenannte l’anzer lied: Trifft uns die Todeskugel, not ans dats Schicksal ab, dann wind us der Pau zzan chermen Grab
Man sollte meinen, dass in vielen Na tionalhymnen dieser Weltausdrückliche Hinweise auf Helden oder Heldentum vorkommen. Überraschenderweise ist dies nicht der Fall. Meist werden die Schönheiten der Landschaft und die Be sonderheiten der Bewohner des jeweili gen Landes gerühmt. Oft wird zwar auf die Geschichte des eigenen Volkes ver wiesen, auf den Kampf um dessen Frei-heit und Unabhängigkeit, doch ohne auf Nationalhelden konkret einzugehen.
Zwei interessante Ausnahmen be-stätigen diese Regel:
In der 1914 eingeführten Hymne von Andorra heißt ex Karl der Große, mein Vater, befeite raich
von den Sarazenea
Und von Himmel gab er mir des Leben von Meritzel, der großen Muttes Ich wurde als Flürstin geboren, els Juns fran, neutral zwischen zwet Nationen. Ich bin die einzig übriggebliebene Tochter des karolingischen Reiches
Glaubend und frei über eff Jahuhunderte, glaubend und fret werde icit blefbea Die Gesetze des Landes seion mein llegiei ter, anal meine Verteidiger seien Fürsten!
Und die Hymne von Wales (1856) beginnt mit den Worten: O land of my fathers, o kami of ray love, Dear mother of minstrels who kindle and move, And hero on hero, who at honour’s prowad call,
For freedom their lifeblood let fall.
in der Österreichischen Bundes-hymne, dem 1947 eingeführten Lamal der Bergy” (deren Melodie übrigens nicht von W. A. Mozart sondern von dessen Logenbruder Johann Holzer stammt, wie das Österreichische Kommers-buch genau darlegt), heißt es: Heimat, bist du grofier Sälme, Volk beg nadet für das Schöne ein unverkenn barer Hinweis auf einen gewandelten Heldenbegriff, der Verdienste um Kunst und Wissenschaft höher einschätzt als traditionelles Heldentum.
Drei unserer acht österreichischen Lan-deshymnen nehmen freilich zumindest indirekt Bezug auf den Einsatz des eige nen Lebens für die Sache des Vaterlandes.
50 heißt es in der zweiten Strophe der burgenländischen Landeshymne Mein Heimatvolk, mein Heimational (1935): Rot-Gohlant die Fetc Rat-Gobi sist deine Farbon Rot war der heiflen Herzen Sprach, für die Heiuut starben
Die Kärntner Landeshymne, ort, wo Tinal an Salzburg growit” (Text an 1817, als Hymne eingeführt 1966) es det mit ihrer vierten Strophe sc Wo Mamessut and Foment die Heimat sich evstritt augs new, won mit Bat die Grener scrie malfe in Not and T hellubelski’s zur Bergeywand dau ist sehr hemlich Helmatland
Dieser Text stammt aus dem Jahr 1930, als der erste Versuch gemacht wurde, das Lied nar Landeshymne zu endären. Er nimmt Bezug auf dest Kami ner Abwehekampf 1918/19 sowie die Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 und enetate folgende, das Kaiser haus verhentichende Verse: od beelitzt aber Ostereiches Haus Der Kaisenaar die Schηνή σας Feinden ange Sein Flagepaar Carinti det Wind segoenad strecket Franzens Hand Sich über dich, wein Heimatland”
Weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannt ist die Tiroler Landeshyrane, das Andreas Hofer Lied
Der Text Ze Martinster w de am 11. März 1832 von dem aus Sach sen stammenden Advokaten und Dra maturgen Julius Mosen verfasst, der acht Jahre vor diesem Datum auf dem Weg nach Italien durch Tirol gersandat wat. Die Melodie schrieb der Ticker Mo-siker Leopold Knebeliherger zwischen 1844 und 1855. Aber erst am 2. Juni 1998 wurde das bereits zum Volkslied gewordene Musikmick zur Tiroler Lan deshymne erklärt.
Der im 1767 im Passciertal geborene Sandwirt hatte sich 1809 an die Spit ze der antibayerischen Bewegung ge stellt. Nach anlänglichen Siegen am Bergisel wurde Tirol erneut besetzt. Ein weiterer Skg um 13. August 1809 täht te Andonan Holer ah Oberkommandanchen
ten in die Innsörucker Hofburg. Doch nach dem Frinden von Schonbrunn wendete sich cas Schlachtenglick am Bergisel. Holermaste flüchten, wurde von Frana Rafil verraten und am 28. Jan-ner 1810 von den Franzosen gefangen genommen In Mantua in Oberitalien wunde er vor en Kriegsgericht gestellt und am 20. Fetruar 1810 fülliert. Und so endet das zu Ganze der Gelangen-schaft, dem Kesser und der Hinrichtung Andreas Hafergewidmete Lied mit sei ner sechsten Strophe
Und von der Hand de Meule annan der Korporal alhier zum letzten Mal Danut rafi er, so trefft mich recht Gelt Finest, wie schießtür schlech Ade, wie Lans Trol
Andreas Hokr liegt seit 1823 in der Hofkirche in Innsbruck begraben. Ez gilt Tellen der Bevölkerung als Natio nalbeld, und wird in einer Reihe von Denkmälern geehrt. Die Tiroler Lan-deshymee ist seit ihrer Erdhuung ge setzlich geschutzt, diese Bestimmung wurde am 17. November 2004 vom Th roler Landtag emeuert.
Der Überliefinung nach beklagt And reas Hafer übrigens sein trauriges Schicksal selbstin den von ihm im Ker ker in Tinoler Mundart notierten Lied Ach Himurni, in fat verspielt. Es wird nach der Melodie eines aus dem aus gehenden 18. Jahrhundert stammen den Soldatenliedes gesungen.
Gleich zwei tekannte Weisen besin-
gen Prinz Eugen, den edlen Ritter. Prinz Eugen Franz von Savoyen-Ca-rignan (1663-1736) wuchs am Hof Lad wigs XPV. aul. Anlangs für die goniliche Laufbahn bestimmt, neigte er aber mehr der Militärtauitahn zu. Mit Verweis auf seine schmachige Gestalt lehnte es der König jedoch ak, dem Prinzen ein Kom mando zu übertragen. Der junge Leut nant Fugen kan 1683 nach Wien und kämpfte mit dem Entsatzheer in der Schlacht am Kahlenberg Nach zahlrel Missioner gegen die Türken brach
te es Eugen bis zum Reichsfeldmarschall Als solcfier eroberte et 1717 die Festung Belgrad, indem er sie unerwarteter Wei se nicht vom Land aun, sondern mitteh ciner Puntonbrucke voru Winner auvan griff. Dieser Sieg ist in zwei bekannten Liedern verewigt. Das erste Prinz Eugen Lied stammt aus der Feder eines im Her re des Prinzen dienenden Preußen zu d ner volkstünlichen Melodie 11719 walt dem Kaiser win Ariegen Stadt and Featung Belgel Er ek achlager eine firucker. salt d’Aneve wohl für Ne Stadt”
Das zweite Prinz Eugen Lied ist eine Bailade von Ferdinand Freiligrath (1810-1876, die die Entstehung der obigen Wei se in dichterischer Form schildert. Carl Loewe (1796-1869) hat dazu eine sehr ins Ohe gehende Melodie geschaffen. Das Lied beginnt sehr stimmungsvoll Zoe Posten, Wir denkt Nacht am Donamater Plende stettu im Krds am ketongehunalen an der Pylicken/ou den Sattelbocken/hungen Karabiner scinwer Uw des Fever auf der Erde vor dem Huf en seiner Pleulo liegt strecke kat Feldsche Auf dem Mankel fiegt ein jede von den Tiscakes weht die Feler/Inabaut würfell unal Kornett…”
So erinnern nicht nur die Grabkapel le im Stephansdom, das Schloss Belve dere, das Stadtpalals, Schloss Hof und in Rotterdenianal auf dem Heldenplatz an den Prinzen, der sich nicht nur als Feldherr, sondern auch als Mazen einen Namen gemacht hat. Auf ihn geht ua die Eugmiana, die Büchersammlung im Thanksaal der Nationalbibliothek zurück
Neben Prinz Eugen und Andreas Ho fer int Feldmarschall Radetzky der drit te der Österreichischen Heroen”, de ren musikalisch gedacht wird.
Johann Josef Weriael Graf Radetzky von Radetz (1766-1855) entwickelte den Plan zur Völkerschlacht bei Leip zig und war von 1837 bis 1857 Gene rafkommandant der österreichischen Armee im lombardo-venetianischen Königreich. Radetzky wurde vor allem durch seine Siege 1848/1849 gegen Sar-dinien und die von Sardinien unter stützten nationalitalienischen Auf-ständischen berühmt. Am 19. Jänner 1858 wurde er am Heldenberg in Nie derösterreich beigesetzt.
Johann Strauß (Vater) komponierte für ihn den “Radetzkymarsch”. Dieser am 31, August 1848 auf dem Wasser-glacis (heute liegt dort der Stadtpark) unaufgeführte populäre Militärmarsch, der alljährlich das Neujahrskonzert be-schließt, zeigt jedoch, näher betrachtet, die ganze Problematik nationalen Hel dentums. Für die italienische Unab-hängigkeitsbewegung galt der Marsch als Hymne der Henker”. Die revolu tionären Studenten seiner Tage be zeichneten ihn als den besseren Marsch für die schlechtere Sache”. Und Joseph Roth meint in seinem gleichnamigen Roman: Am besten starb man für ihn (den Kaiser) bei Militärmusik, am leich testen beim Radetzkymarsch.” Von zwei Mörderkugeln getroffenEngelbert Dollfuß, geboren am 4. Oktober 1892 in Texing, N.O., wurde am 20. Mai 1932 österreichischer Bundes-kanzler und Außenminister. Nach der Machtübernahme der Nationalsoziali-sten in Deutschland verweigerte sich Dollfuß in engem Einvernehmen mit Benito Mussolini einem Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland.
Bei einem Appell der Vaterländischen Front am 11. September 1933, verkün-dete Dollfuß die Errichtung eines so zialen, christlichen, deutschen Staates Österreich auf ständischer Grundlage und starker autoritärer Führung”. Nach einem bewaffneten Aufstandsversuch von Einheiten des Republikanischen Schutzbundes verbot Dollfuß 1934 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SDAP) und ließ als einzigen politischen Willensträger die Vaterlän-dische Front zu. Er regierte mit Notver-ordnungen und führte auf Grund des schwankt heute noch sehr stark: er hat zweifellos einen Bürgerkrieg vom Zaun gebrochen und eine Diktatur errichtet, aber hat auch gegen den Nationalso-zialismus und für die Eigenständigkeit Österreichs gekämpft. 1936-1938 war zum Andenken an den von den Nazis ermordeten Kanzler bei zahlreichen, vor allem schulischen Gelegenheiten gleich nach der Bundeshymne das folgende „Lied der Jugend zu singen: Ihr Jungen, schließt die Reihen gut, Ein Toter führt uns an. Er gab für Österreich sein Blut, Ein wahrer deutscher Mann. Die Mörderkugel, die in traf, Die riss das Volk aus Zank und Schlaf. Wir Jungen stehn berelt Mit Dollfuß in die neue Zeit!
Das sogenannte Dollfußlied (1934) wurde zu einer Melodie von Nico Dostal (Pseudonym Austriacus”) gesungen. Sein Aufbau gleicht dem Horst-Wessel-Lied (1927), das der Verherrlichung der Toten der Bewegung” galt („Kam’raden, die Rotfront und Reaktion erschossen, mades Verfassers: http://peter-diem.at).
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Wer sind nun wahrhafte Helden” und wo sind ihre Lieder? Müssen wir hier nicht vor allem jene Männer und Frauen nennen, die im christlichen oder humanistischen Geist durch gewaltlo-sen Widerstand Großes geleistet haben – etwa einen Mahatma Gandhi oder ei-nen Martin Luther King? In Österreich Maria Restituta, geistliche Operations-schwester im Krankenhaus Mödling. hingerichtet von den Nationalsoziali-sten am 30. März 1943, selig gesprochen 1998? Oder den oberösterreichischen Mesner Franz Jägerstätter, der vom Reichskriegsgericht wegen seiner Wei-gerung, im Nationalsozialismus den Wehrdienst zu leisten, verurteilt und am 9. August 1943 hingerichtet wurde? Sie hatten ein Vorbild: Jesus von Naza-reth, der zunächst alle Kriterien des klas-sischen Helden erfüllt, wie zum Beispiel geheimnisvolle Geburt, früher Tod, die heroische Geste des Verzichts.
Der sein Leben riskiert und verraten wird. Dessen Kreuzigung aber zum Sieg über den Tod wird. „Insofern markiert das Christentum, das den klassischen Helden und den Wahn des Sieges in Fra-ge stellt, eine ganz entscheidende Wen-de in der Geschichte des Helden” (Wolf-gang Müller-Funk im Katalog zur Landesausstellung). So singen wir zu Ostern dem Auferstandenen ein Hel-denlied der besonderen Art:
Der Sieger führt die Scharen/ die lang ge fangen waren/ in seines Vaters Reich empor/das Adam sich und uns verlor/ Halleluja!”