2019 Zu Masaryks leiblichem Vater 8 S.

Was spricht dafür, dass Tomás G. Masaryk der Sohn von
Kaiser Franz Josef war?

Im Jahre 2016 wurde in Prag das Buch „Des Kaisers Präsident“ des prominenten
Journalisten David Glockner veröffentlicht. Dieses Buch versucht anhand sehr
glaubwürdiger Indizien nachzuweisen, dass der Gründungspräsident der
Tschechoslowakei, T.G. Masaryk (1850-1937), der uneheliche Sohn von Kaiser
Franz Josef I. ist. Jetzt liegt die deutsche Übersetzung vor.
Indizienbeweise für die Vaterschaft von Franz Josef I.

 

Indizienbeweise für die Vaterschaft von Franz Josef I.


1. Franz Josef I. hatte während seines Lebens mindestens sechs Geliebte.
Einige davon hielt sich der Kaiser jahrelang und führte auch Notizen über sie.
Der Kaiser hatte acht oder neun uneheliche Kinder – und alle diese Frauen
und Kinder wurden großzügig versorgt. (S. 104 im Buch und Literatur)


2. Im Dezember 1848 nahm Franz Josef an Truppenübungen in der Nähe von
Hodonín in Mähren teil. Zu dieser Zeit war. Teresia Kropaczek (recte
Theresia Kropáčková) Chefköchin an einem der kaiserlichen Güter. Sie
stammte aus einer gutbürgerlichen deutschen Familie in Hustopeče.

3. Hält man sich die in der damaligen Zeit herrschende Diensteifrigkeit der
unmittelbaren Umgebung des damals im 19. Lebensjahr stehenden Kaisers
vor Augen, so scheint es durchaus glaubhaft, dass eine gut aussehende,
Deutsch sprechende Bedienstete zum Triebabbau seiner Majestät gesucht
und gefunden wurde. Dabei war es offenbar sogar darauf angelegt, dem noch
unerfahrenen Herrscher eine etwas reifere Person zuzuführen. Nicht vergessen darf man dabei, dass auch das Risiko einer Geschlechtskrankheit ausgeschlossen werden sollte. Dafür war ein Mädchen vom Lande eine sichere Bank. Die attraktive, 36-jährige Teresia war dafür bestens
geeignet. Sie hatte auch zweifellos die nötige Erfahrung, einen jungen Mann
in die körperliche Liebe einzuführen, hatte sie doch bereits ein uneheliches
Kind geboren, das aber kurz nach der Geburt gestorben war (25).


4. Das so vorbereitete Treffen fand vermutlich im kaiserlichen Schloss Holíč statt
(58). Es war der reich ausgestattete Lieblingssitz von Franz Stephan von
Lothringen.

5. Teresia Kropaczek war im dritten Monat schwanger, als sie am 15. August
1849 den um zehn Jahre jüngeren und kaum des Lesens und Schreibens
mächtigen Stallburschen Josef Masárik ehelichte bzw. ehelichen musste.
Dieser stammt aus Kopčany, dem Nachbardorf von Holíč , wo sich ein
kaierliches Gestüt befand. Sechs Monate und drei Wochen später wurde
Tomáš geboren (75).


6. Kurz danach findet sich folgende Eintragung im Tagebuch des
Kaisers: „Kropaczek erledigt“. Ein Zufall? Buchautor David Glockner glaubt
das nicht (125).


7. Der einfache Stallbursche Josef Masárik macht in der Folge eine steile
Karriere als Kutscher und Feldhüter (Wirtschaftsaufseher). Während zwei
seiner Söhne wie ihr phlegmatischer Vater einfachen Gemüts waren, war der
dritte, Tomáš, lebhaft und auffällig.


8. Als Tomáš aus einer langweiligen Schlosserlehre in Wien ausreißt, in die man
ihn handstreichartig gesteckt hat, ist in seiner Heimat bereits ein anderer,
besserer Arbeitsplatz frei, diesmal beim örtlichen Schmied. Tomáš liebte sein
„Praktikum“ und erzählte gerne davon. Merke: Bei den Habsburgern war das
Erlernen eines Handwerks üblich.
Kaiser Franz II./I. hatte die Gärtnerei, Franz Josef I. die Buchbinderei gelernt.


9. Vor der Matura wird Tomáš Masaryk vom Gymnasium in Brünn geworfen –
weil er angeblich mit dem Schürhaken auf den Direktor losgegangen war. Da
kommt ihm Anton Le Monnier, Polizeidirektor von Brünn, zu Hilfe. Er
ermöglicht es Masaryk, am Akademischen Gymnasium in Wien zu studieren,
und wird selbst zur gleichen Zeit zum Polizeidirektor von Wien erhoben.


10.Tomáš Masaryk, der „Bub aus dem Kutscherhaus“, wohnte während seiner
Zeit am Akademischen Gymnasium (1870-73) am vornehmen Wiener
Petersplatz (Gedenktafel, 207).

11.Auch als Student hatte Masaryk sehr großzügige Gönner, die ihm ein
sorgloses Leben ermöglichten. Neben Monnier den Bankier und EisenbahnUnternehmer Rudolf Schlesinger. Beide hatten direkten Zugang zur
kaiserlichen Familie. Masaryk erwähnt in seinem Tagebuch, wie sehr sie ihm
halfen. Er wohnte bis 1876 in der riesigen Wohnung der Familie Schlesinger in
der Mahlerstraße 7 (236). Es ist kaum glaubhaft, dass dem jungen Mann nie
der Gedanke kam, dass sein Förderer eine äußerst hoch gestellte
Persönlichkeit sein musste.
Übrigens: Obwohl von athletischer Gestalt, hatte Masaryk nie den damals
dreijährigen Wehrdienst leisten müssen!

12.Während seines Studiums an der Wiener Universität betrug Masaryks
Taschengeld 100 Gulden pro Monat – das Gehalt eines kaiserlichen Bezirkshauptmanns.
Zur Promotion bezahlte ihm Rudolf Schlesinger eine Reise nach Italien und
ein Stipendium für ein Studium in Leipzig (253). Später wird Masaryk von sich
sagen, dass er zeitlebens nie Geldsorgen hatte.


13.Wer den dort wirkenden Ägyptologen, Georg Ebers, besuchen wollte, der
musste zum Teil Monate lang auf eine Audienz warten. Masaryk wurde aber
schon einen Tag nach seiner Anreise empfangen! Das Treffen endete für
Masaryk mit einem Schock: Der Professor habe ihm ‚unglaubliche Sachen‘
über den Kaiser erzählt. Masaryk war daraufhin Monate lang krank. In der Zeit
schrieb er eine Studie zum Thema Selbstmord (258).


14.Als Masaryk zum Professor in Prag ernannt werden sollte, gab es heftigen
Widerstand seitens des Prager Bistums. In einem diesbezüglichen Gespräch
meinte der Kaiser zum Erzbischof Schönborn: „Ich bin besser informiert als
Sie“ (300).


15.Wer weiß, was dem Kaiser durch den Kopf ging, als ihm 1893 die neu
gewählten Abgeordneten des Reichsrates vorgestellt wurden. Ohne ihm die
Hand zu reichen, habe der Kaiser zu ihm traurig gesagt: „Sie sind dieser
Masaryk“. Das war der einzige Moment, als die beiden Männer einander
gegenüberstanden (302).


16.Der Kaiser hatte wohl gute Gründe für ein besonderes Verhältnis zu Masaryk.
Franz Josefs einziger legitimer Sohn Rudolf litt an Syphilis und nahm sich
1899 zusammen mit seiner Geliebten Mary Vetsera das Leben. Mit seinem
eher stürmischen Charakter war er ohnehin kaum als Thronfolger geeignet.
Tomáš war anders: intelligent, zielstrebig, diszipliniert – und erstgeboren…


17.Eine DNA-Analyse, die mit ziemlicher Sicherheit entscheiden würde, ob der
Vater des Präsidenten ein Sohn des halbgebildeten Kutschers Josef Masárik
oder das Ergebnis eines Seitensprungs des jungen Kaisers war, blockiert
Masaryks Urenkelin Charlotta Kotíková (23,76).


18.Betrachtet man die politische Grundeinstellung von T.G. Masaryk vor
Ausbruch des Ersten Weltkriegs und danach so zeigt sich ein fundamentaler
Unterschied, der wahrscheinlich auch tiefenpsychologische Wurzeln hat: aus
dem österreichisch-loyalem Parlamentarier wird ein tschechischer Nationalist,
der in seinen Schriften mehrfach einen abgrundtiefen Hass auf den Kaiser
ausdrückt (11).


19.Kaum ist Masaryk Präsident, beginnt er ein aufwändiges Ausbauprogramm
seines Amtssitzes – keineswegs eine standesgemäße Stadtwohnung, sondern
der Königspalast am Hradschin. Er verpflichtet den slowenischen
Stararchitekten und Otto-Wagner-Schüler Jože Plečnik, dessen Wirken er aus
Wien kannte, zur Errichtung eines stilreinen Gesamtkunstwerkes. Vor allem
fallen darin die vom Bauherrn vehement geforderten und dann unter
ziemlichen technischen Schwierigkeiten errichteten Obelisken auf – eindeutig
gegen Wien (Schönbrunn) gerichtete Phallussymbole (18).

Obeliskenbrunnen in Schönbrunn

20. Wie sein wahrscheinlicher kaiserlicher Vater zeigte sich der demokratisch
gewählte Präsident gerne hoch zu Ross (351).

Prof. Dr. Peter Diem, 19. Nov.2019