2017 CVer Guggenberger und Daim 7 S.

Zwei große Österreicher
– durch das goldweißrote Band verbunden.
von Peter Diem v. Columbus
Leopold Guggenberger
v. Sepp
8.0.1918† 21.2.2017
Bbr. Guggenbergers Großeltern vater lichseits stammten aus Maria Luggau im Lesachtal an der Grenze Kärntens zu Osttirol. Sie betrieben im dortigen Mari-enwallfahrtsort ein Gasthaus. Vater Leo-pold Guggenberger sen. war wie sein Sohn Rudolfine. Er war im Ersten Weltkrieg als Flieger an der Piavefront eingesetzt. Am 18. April 1918 geriet sein Flugzeug durch Beschuss in Flammen und stürzte ab. Gug-genberger sen. und der Pilot kamen dabei ums Leben.
Posthum geboren, verbrachte Leopold Guggenberger seine erste Kindheit im Pfarrhof von Tulbing. Nach der Volksschule besuchte er das Schottengymnasium, wo er 1936 maturierte. Danach begann Guggenberger das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, und trat der unserer Rudolfina bei. Als Propagandist fur die von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (Aln) angesetzte Volksabstimmung wurde er am Morgen des 12. März 1938 zusammen mit Friedrich Zacke (R-J) verhaftet und verbachte einen Tag im Gefängnis der Salzburger Polizeidirektion. Bbr. Leopold Guggenberger nahm wie auch der
kurz vor ihm verstorbene Bbr. Wilfried Daim an der berühmten Jugend Kundgebung am 7. Oktober 1938 im Wiener Stephansdom teil, meldete sich dann aber freiwillig zur Deutschen Wehrmacht (Fliegerabwehr), um von der Gestapo Ruhe zu haben. Dabei spielte sicher die Fliegerkarriere seines vor seiner Geburt abgeschossenen Vaters mit. Im Frühsommer 1942 wurde Guggenberger zu seinem Glück nach Linz versetzt, denn sein Flak-Regiment gehörte zum Verband der bei Stalingrad eingekesselten 6. Armee. Bald darauf wurde er in das besetzte Frankreich abkommandiert. Für den verlustfreien Rückzug im Herbst 1944 erhielt er das Eiserne Kreuz 1. Klasse (eine seltene Ebre). Gegen Kriegsende schlug sich Guggenberger westfälischen Iserlohn mit einer kleinen Gruppe nach Süden durch. Am 19. Mai gelangte er nach Landeck, wo er seine Frau traf. Sein letzter Dienstgrad war Oberleutnant.  NACHRUF
Prosenst der Su K
BERUFLICHER WERDEGANG
Guggenberger trat bereits im August 1945 dem ÖAAB bei und bewarb sich um eine Stelle in der Kärntner Landesregierung. Nach einer kurzen Tätigkeit als Sekretär des provisorischen Landeshauptmannstellvertreters Hans Amschl (OVP) kam er zur Sicherheitsdirektion. Hier hatte er u. a. die Organisation von Spionagediensten in Jugoslawien zu organisieren. Das kam im roten Innenministerium gar nicht gut an.
Guggenberger wurde daher im September 1952 in die Gewerbeabteilung der Landesregierung versetzt. Zu seinen Aufgaben gehörten die Verwaltung der Seilbahnen und Sesselliftanlagen, aber auch die Eisenbahn. Ab 1959 war er mit dem Bau der Jauntalbahn befasst. Nach Fertigstellung der 20 Bahnkilometer am 10. Oktober 1964 musste der Eisenbahnverkehr nach Klagenfurt nicht meht über das ehemals zu Unterkärnten gehörende Unterdrauburg (nunmehr Dravograd) geführt werden.
Seit 1945 hatte sich Guggenberger in der Personalvertretung ala Funktionär der Christlichen Gewerkschaften bzw. des ОЛАВ engagiert. 1963 wurde er Ohmann der ÖAAB-Bezirksgruppe Klagenfurt und im Jahr 1964 stellvertretender Landesobmann des ÖAAB (bis 1967). Landesobmann war damals der spätere Verkehrsminister, unser Bundesbruder Ludwig Weiß. Leopold Guggenberger gehörte dem Nationalrat vom 5. Juli 1966 bis zum 31. März 1970 an. Damit wurde er auch als Landesbeamter freigestellt. Er ging als solcher 1981 in Pension und erhielt den Titel Hofrat verliehen.
BÜRGERMEISTER VON KLAGENFURT
Am 2. Mai 1973 wurde Guggenberger vom Gemeinderat mit den Stimmen der ÖVP und FPO zum Bürgermeister gewählt, was er nach Wiederwahlen fast 24 Jahre blieb. Er legte ein modernes kommunalpolitisches Programm auf der Basis christlich-cozialer Grundsätze vor und betonte den damals noch keineswegs selbstverständlichen Umweltaspekt. Besonderes Augenmerk legte er auf die Kulturpolitik und die damals noch nicht selbstverständliche Stadtaußenpolitik
So konnte er Klagenfurt mit nicht weniger als sieben Schwesterstädten. von Duschanbe (Hauptstadt Tadschikistans) über Czernowitz bis Tarragona verbinden.
Bei den Gemeinderatswahlen am 25. März 1979 konnte dank der inzwischen gewonnenen. Popularität Guggenbergers die stimmenstärkste ÖVP Partei werden, was aber fast ausschließlich zu Lasten der FPO ging. Bei den Gemeinderatswahlen am 17. März 1985 konnte die ÖVP neuerlich zulegen und erreichte 22 von 45 Mandaten.
Bei den nächsten Wahlen zum Gemeinderat am to. März 1991 machte sich die Änderung der politischen Landschaft Österreichs insofern bemerkbar, als dass auch in Klagenfurt die FPO von 9,9 auf 21,8 Prozent zulegte, während die ÖVP von 46,8 auf 31,3 Prozent absackte. Erstmals gab es in Kärnten. parallel zu den Gemeinderatswahlen. auch Direktwahlen der Bürgermeister. Gugenberger gewann die Stichwahl gegen den SPO-Kandidaten mit 52,7 Prozent.
1996 erklärte der inzwischen fast. 78-jährige Guggenberger, bei den nächsten Wahlen nicht mehr zum Bürgermeister zu kandidieren..
Leopold Guggenberger prägte in diesem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts die Stadt Klagenfurt wie kein anderer Bürgermeister vor ihm und wohl auch nach ihm. Als ein Beispiel unter den vielen Initiativen seiner Amtszeit sei nur der 1977 ins Leben gerufene Bachmann-Preis genannt, der Klagenfurt in der kulturellen und literarischen Welt zu einem dauerhaften Begriff machte. Infolge seiner weit über die Stadtpolitik hinausreichenden Denkweise geht
man nicht fehl, wenn man Leopold Guggenberger als einen heimlichen Österreichischen Staatsmann bezeichnet, dessen Hauptanliegen Versöhnung und Frieden waren. Vor allem war Guggi ein Bürgermeister der Herzen. Leopold Guggenberger wird deshalb auch den Bürgern Klagenfurts wie kein zweiter in Erinnerung bleiben.
Klagenfurt Bbr. Guggenberger war 1972 Gründungsbandphilister der K.ö.a.V. Carinthia, um die er sich während seiner Amtszeit wie auch vor allem danach kümmerte, Bis ins hohe Alter besuchte er regelmäßig mit Band und Mütze Veranstaltungen des OCV sowie des MKV bzw. von deren Verbindungen.  Guggenbergers erste Ehefrau, Elisabeth geb. Havers, starb am 18. September 1979 in Wien. an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Mit ihr hatte er acht Kinder (fünf Töchter, drei Söhne). Guggenberger lebte bis zuletzt mit seiner zweiten Frau, der lieben Irmgard, in Klagenfurt.
Bbr. Sepp blieb zeit seines Lebens mit seiner Westkärntner Heimat, dem Lesachtal, verbunden.
Wilfried Daim v. Plato
21.07.1923 30.12.2016
Bbr. Plato wurde als Sohn eines christ lichsozial eingestellten Färberei-Arbei-ters geboren und wuchs in Wien-Hernals auf. Nach dem Besuch der Volksschule kam er 1933 in das Internat der Schulbrü-der in Wien-Strebersdorf, wo er das Real-gymnasium besuchte. Nach einer Unter-brechung besuchte er von 1940 bis 1942 eine Maturaschule und legte die Externis-tenmatura ab.
Aktiv war Wilfried Daim in der Pfarrjugend seiner Heimatgemeinde Hernals (St. Bartholomäus) tätig, wo er von dem dort tätigen Kaplan Josef Weinand (RBo), einem gebürtigen Koblenzer, stark geprägt wurde. Wilfried Daim nahm wie Bhr. Leopold Guggenberger an der legendären Kundgebung der Katholischen Jugend am 7. Oktober 1938 im Wiener Stephansdom mit Theodor Kardinal Innitzer (NdW) teil. In dieser Pfarrjugend bekam Daim Kontakt mit dem späteren Priester Karl Strobl (Rd), der bereits der Widerstandsgruppe Eisen” angehörte. Diese Gruppe streute Flugzettel und zerstörte Schaukästen des „Stürmers”. Die Gestapo verhaftete bereits am 9. Juli 1938 einige Aktivisten. Endgültig flog diese Gruppe am 7./8. Februar 1940 auf. Zur Gruppe Eisen” gehörten neben Strobl u. a. auch der spätere Bischof Alfred Kostelecky, der spätere VOP Helmut Gnambs und
Als humorvoller Gesellschaftsmensch konnte er hunderte Geschichten erzählen vor allem aber liebte er es, mit seinen Gästen den „Schneewalzer” (Link: http://ocn.de/4jon) oder den Kärntner Gebirgsschützenmarsch (Link: http://ocn.de/ufy5) zu singen. Und so bleibt uns Guggi ewig in Erinnerung!
Hubert Jurasekalle drei Rudolfinen.
Im Zuge seiner Tätigkeit im Widerstand wurde Daim Anfang April 1940 zur Gestapo vorgeladen. Die dort herrschende Euphorie” aufgrund des gerade erfolgreich verlaufenden Norwegen-Feldzuges bewahrte ihn vor negativen” Konsequenzen. An scinem 10. Geburtstag (21. Juli 1942) wurde Daim zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. Bei der Vereidigung hob er zwar die Hand, sprach jedoch nicht die Eidesformel mit, was aber
nicht weiter auffiel. Nach der Ausbildung kam er im Herbst 1942 als Panzerjäger an die Ostfront, wo er mehrmals verwundet wurde. Am Karsamstag, dem 31. März 1945, wurde er beim schlesischen Kattowitz zum dritten Mal, diesmal am rechten Oberschenkel, verwundet. Durch eine nicht sachgerechte Behandlung musste der Unterschenkel amputiert werden. Mit einem Lazarettzug gelangte Wilfried Daim über Böhmen nach Preßburg und von dort in das bereits umkämpfte Wien, wo er sich nach Hause absetzen konnte.
STUDIUM, BERUFLICHE LAUFBAHN UND PUBLIZISTISCHE TÄTIGKEIT
Nach gesundheitlicher Wiederherstellung begann Daim das Studium der Psychologic und Anthropologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien (Dr. phil. 1948), wo er der Rudolfina beitrat (Couleurname Plato) und Consenior war. Als die Rudolfina für das Studienjahr 1948/49 zum Vorort gewählt wurde, übernahm Bbr. Daim das Amt des 1. Vorortsbeisitzers.
Nach seinem Studium baute Dr. Daim als Freiberufler eine psychologisch-psychoanalytische Praxis auf und erstellte für die Personalabteilung österreichischer wie ausländischer Firmen graphologische Gutachten.
Wilfried Daim war mit der Tochter von Hans Karger (Aa), einer Psychologin, verheiratet, die ihm zwei Töchter und einen Sohn schenkte, daneben aber praktisch alle Manuskripte ihres Mannes in die Schreibmaschine tippte.
Die Tiefenpsychologie wurde Daimswichtigster Forschungsschwerpunkt. 1956 gründete er das Institut für politische Psychologie und verfasste parteistrategische Konzepte, von denen die ÖVP teilweise Gebrauch machte.
Von 1963 bis 1966 war er Mitarbeiter am Wiener Ford-Institut, nunmehr Institut für Höhere Studien.
ZAHLREICHE ARTIKEL UND 22 BÜCHER
Besonders bekannt wurde Daims Studie Der Mann, der Hitler die Ideen gab”. In dieser beschäftigt sich Daim mit Adolf Lanz, (selbsternannt Jörg Lanz von Liebenfels”), einem ehemaligen Mönch des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, der mit seiner Zeitschrift Ostara” und sonstigen Schriften den jungen Hitler in Wien hinsichtlich seiner rassenideologischen Vorstellungen beeinflusst hat. Daim konnte Adolf Lanz (1874-1954) für seine Forschungen noch selbst befragen.
Daims wichtigstes Werk ist jedoch das auf zum Teil persönlich durchgeführten Tiefeninterviews beruhende Buch „Die kastenlose Gesellschaft” (1960). In dieser umfangreichen sozialpsychologischen Studie gelang es ihm nachzuweisen, dass ökonomische Klassengegensätze stets mit psychologischen Kastengegensätzen einhergehen oder diese sogar überlagern. Nur durch die Besinnung auf das urchristliche Prinzip der universellen Brüderlichkeit” können nationale und internationale gesellschaftliche Konflikte dauerhaft gelöst werden. Das Buch kann ebenso wie sieben andere Werke Daims im Austria-Forum im Volltext nachgelesen werden
DAIM ALS LINKSKATHOLIK
(http://ocn.de/6uff)
Daim kam bereits in seiner Aktivenzeit im ÖCV mit dem Soziologen August M. Knoll (NbW) in Kontakt, der ihn dann nachhaltig prägen sollte. Zusammen mit ihm und mit Friedrich Heer (ehemals Baj) gab er 1963 das Buch Kirche und Zukunft heraus, das innerkirchlich großes Aufsehen erregte und zu Diskussionen sowie zu Widersprüchen führte. Es wurde zu Beginn des II. Vatikanischen Konzil zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, wo man noch nicht wusste, welche Ergebnisse dieses Konzil haben und wohin der künftige Weg der Kirche führen werde.
In seinem dortigen Beitrag Rückkehr zur Brüderlichkeit stellte Daim 29 Forderungen auf, die zwar damals auf großes Unverständnis bzw. sogar auf große Ablehnung stießen der Wiener Erzbischof Franz Kardinal König (Rd EM) warnte Im Zusammenhang mit diesem Buch vor falschen Propheten, die die Kirche ans Kreuz schlagen, jedoch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten sukzessive (bis unter Papst Franziskus) zu Großteil verwirklicht wurden, sodass man diese Punkte laufend abhaken konnte. Unter diesen befanden sich
z.B. die Forderungen nach Einführung der Volkssprache in der Liturgie sowie die Abschaffung der Papstkrone Tiara und des Index der verbotenen Bücher.
Wilfried Daim gehörte damit zur Gruppe der prononcierten Linkskatholiken im ÖCV. Sie hatte ihren Ausgangspunkt bei Ernst Karl Winter (NbW), der vor 1938 als Urheber dieser Denkrichtung gilt (Rechts stehen. und links denken”). Diese Gruppe, der auch Knoll und Heer angehörten, hatte es in den sechziger und siebziger Jahren im ÖCV nicht immer leicht. Sie wurden mehrheitlich abgelehnt und. teilweise sogar diffamiert. Der Lauf der Kirchengeschichte hat aber Daim in vielem rechtgegeben.
Im Sinne seiner linkskatholischen Ansichten unterstützte Daim ab Ende der sechziger Jahre die Friedensbewegung und plädierte für die Abschaffung des Bundesheeres. Trotz alledem ist festzuhalten, dass sich die Ansichten dieser linkskatholischen. Gruppe innerhalb des Wahlspruches des OCV (, in dubiis libertas”) bewegten. Bor. Wilfried Daim war ein fruchtbarer.
NACHRUF
Origineller Denker und Couleurstudent – Bundesvuder Plars Pecar Diem
Bandesbruder Columbus (1) in Genoch mit Moto in
AUSGABE 1/2017 21
Querdenker, jedoch kein Querulant. Er war ein aufrechter Gegner des Nationalsozialismus, ein bekennender Reformkatholik und vor allers ein origineller Denker und Zwischenrufer, ein Intellektueller im besten Stun des Wortes.
Leider haben dies viele engstinige Bundesbrüder in jener Zeit nicht erkannt, sodass Plato von seinem Mitkämpfer, dem damaligen Verbindungsanwalt Hubert Jurasek v. Sami, des Öfteren herausgepaukt” werden musste
In den siebziger Jahren entwickelte sich Daim auch als Kenner und Förderer von moderner Kunst vor aliem der Zwischenkriegszeit und gilt als Entdecker
der bis dahin unbekannten Maler Franz Probst (1903-1980) und Otto Rudolf Schatz (1900-1961). Er war aber nicht nur Sammler, sondern betätigte sich auch als erfolgreicher Kunsthändler was dann zu einem nicht unerhehlichen Teil seines Einkommens werden sollte.
Wilfried Daim v. Plato starh nach längerem Leiden an den Folgen cines Schlaganfalls und wurde auf dem Ottakringer Friedhof begraben. Mit. ihm ist einer der originellsten Denker aus den Reihen des ÖCV und der Rudolfina heimgegangen.
Ourlien Biographisches Lexikon des OLV P. Diem: Wilfried Daim, Querdenker vwischen Rot und Schwarz, Wien 2011 Віват Істр/ость бе/kjh