2013 Terra Santa mit Umfrage 14 S.

Ergebnis der Umfrage „Gründung einer Verbindung in Jerusalem“ und Schlussfolgerungen

In der zweiten Oktoberhälfte 2013 wurden die mit E-Mail erreichbaren Rudolfinen und darüber hinaus ein paar andere Cartellbrüder eingeladen, ihre Meinung zum Thema „Gründung einer akademischen Vereinigung in Jerusalem“ abzugeben. 120 vollständig ausgefüllte Fragebögen langten ein. Bei der Auswertung wurden aber auch jene 38 Fragebögen berücksichtigt, die nur zum Teil ausgefüllt waren.

Prinzipiell positive Einstellung zum Projekt

Genau zwei Drittel der 120 Befragten sind „prinzipiell“ oder „unter Umständen“ für die Gründung einer akademischen Vereinigung in Jerusalem. Strikt dagegen sind nur 7 Prozent; das restliche Viertel hält das Konzept für zu wenig realistisch.

→ Das Vorhaben wird grundsätzlich positiv gesehen.

Die nächste Frage betraf die Organisations- bzw. Rechtsform der Neugründung. Hier überwiegt zwar der Wunsch, eine christliche Männerverbindung mit voller studentischer Tradition zu gründen 48 %, doch haben auch die beiden anderen Formen — christlich mit weiblichen Mitgliedern: 30 % und „Pilgerschaft“: christlich, dual, kein konventioneller Comment: 22 % — relativ große Anhängergruppen.

Wenn man in Rechnung stellt, dass der Wunsch nach einer „Vollverbindung“ nach Art des ÖCV auf das Problem der mangelnden Zahl an Studierenden und katholischen Akademikern in Jerusalem stößt und überdies die lateinischen Katholiken unter Jerusalems Christen eine Minderheit darstellen, bleiben die Modelle einer „Sagitta light“ und jenes einer Organisation sui generis, nämlich einer dualen — beide Geschlechter zulassenden —, ökumenischen und selbstverständlich akademischen „Pilgerschaft“.

Nach Analyse der Anregungen in den offenen Antworten und zahlreichen Gesprächen scheint die „Akademische Pilgerschaft“ das realistischste Modell darzustellen, das im Übrigen nicht nur als endgültige Lösung, sondern auch als Keimzelle einer späteren „echten“ Verbindung dienen kann. Erwähnt soll auch werden, dass die Modelle eines einfachen „CV-Zirkels“ und einer „Ferialis“ ebenfalls ventiliert wurden.

Die „Formen“

Der Name

Bei der Frage nach einem passenden Namen konnte sich „Terra Santa“ mit 51 Prozent Zustimmung durchsetzen. Dabei gab es allerdings einige Zweifel an der Schreibung „Terra Sancta“. Hierzu: Die italienische Schreibweise wurde wegen der leichteren Sprechbarkeit gewählt. Italienisch ist außerdem so etwas wie eine lingua franca unter den Katholiken in Jerusalem.

Von den anderen Vorschlägen kam „Fraternitas“ mit 14 Prozent noch ganz gut an, doch würde diese Bezeichnung wohl nur zu einer rein männlichen Vereinigung passen — vgl. fraternity und sorority. Dem könnte man entgegenhalten, dass lat. „fratres“ gelegentlich auch die Bedeutung von „Geschwister“ hatte — aber eben nur gelegentlich.

Unter den zusätzlichen Nennungen kämen folgende Namen grundsätzlich in Frage: Caelestia, Communitas, Hospitalis. Andere Vorschläge, wie z. B. Crux, Kreuzzug 2013, Levantia und Pontifecta, sind wohl aus historischen Gründen für eine zukunftsgerichtete Verbindung im interkonfessionellen Jerusalem nicht brauchbar.

Der Gedanke, sich in der Namensgebung — die ja gleichzeitig auch Programm ist — an Lessings Werk Nathan der Weise und die bekannte Ringparabel anzulehnen, Vorschlag: Nathania, fand nur sehr geringe Zustimmung bzw. wurde deutlich abgelehnt.

Die Farben

Spannend war die Entwicklung der Vorschläge zu den Farben. Die Frage wurde gestellt, weil die Proponenten der Ansicht sind, dass auch eine „Akademische Pilgerschaft“ ein Minimum an Nähe zum Couleurstudententum haben sollte — Prinzipien, Farben, Kopfbedeckung, Wappen, Wahlspruch — als Unterscheidungsmerkmal zu einfachen Vereinen oder Orden und auch im Hinblick auf die zumindest theoretisch erhoffte „Vorreiterfunktion“ für eine spätere Verbindungsgründung.

Der ursprüngliche Gedanke, eine Tochterverbindung Rudolfinae zu gründen, hätte eine gewisse Nähe zu „Gold-Weiß-Rot“ bedingt. Wie wir wissen, steht Gold-Weiß ja für die Farben der Kirche. Die dritte Farbe sollte zunächst ein Hellblau sein — Maria, Israel, Franziskaner-Kustodie des Heiligen Landes, der Himmel über dem Heiligen Land —, wobei unter Berücksichtigung der Farben von Norica, Danubia und Rugia an einen Vierfarb Gold-Weiß-Blau-Weiß gedacht war.

Die Einbindung von Hellblau fand auch relativ große Zustimmung, fast zwei Drittel der Befragten. Aus der Überlegung, sich nicht an Israel anzubiedern, entstand der zweite Vorschlag, nämlich Gold-Weiß-Dunkelbraun. Diese Kombination sollte die triumphierende Kirche, Barock, mit der dienenden Kirche, Bettelorden, verbinden. Immerhin ein Fünftel der Befragten konnte sich damit anfreunden. Doch gab es im Vorfeld Bedenken, dass man damit in Israel an das Braun der Nationalsozialisten erinnert werde — das freilich hellbraun und nicht dunkelbraun war.

Der „wisdom of the masses“ kam uns zu Hilfe. In der Befragung wurde das Augenmerk auf die Farbe „Purpur“ gelenkt, deren Symbolik gerade im Heiligen Land Sinn macht. Man wird dabei an den Purpurmantel und das Blut Christi erinnert, aber auch an die Shoa. Es ist dabei nicht an das helle Kardinalsrot und nicht an das Bischofs-Violett gedacht, sondern an ein von Weinrot bis Braunrot reichendes sattes, dunkles Rot — wenn man will, nicht das arterielle, sondern das venöse Blut symbolisierend, wie es auch in den Farben Lettlands vorkommt, also die Originalfarbe der Purpurschnecke.

Die Farbkombination Gold-Weiß-Purpur wird somit weiter verfolgt werden.

Anmerkung: Was die „Deckelfarbe“ betrifft, so bieten sich sowohl ein besonders in der Wüstensonne strahlendes Weiß, die Farbe Purpur sowie das praktische Dunkelbraun an. Dies insbesondere aus der Überlegung, dass eine „Pilgerschaft“ wohl nicht Studentenmützen, sondern eher „Pilgerhüte“ benutzen sollte, wie sie in der folgenden Abbildung dargestellt sind. Doch darüber ist weiter zu diskutieren.

Der Wahlspruch

Das nächste zur Diskussion gestellte Thema war der Wahlspruch. Es gab nur zwei Vorschläge: „Ihr alle aber seid Brüder“ Mt 23,8 und „Via, Veritas, Vita“ Joh 14,6. Beide erhielten je 40 Prozent Zustimmung.

Wieder erwies sich die Corona der Befragten als einfallsreich:

Die lateinische Form „omnes autem vos fratres estis“ Mt 23,8 sowie „Vos autem dixi amicos“ Joh 15,15 und „Ut omnes unum sint“ Joh 17,21 traten als weitere Möglichkeiten hinzu.

Etwas mit „PAX“ wäre auch zu überlegen, hieß es, und auch die Verwendung des Begriffs „Geschwister“ wurde eingemahnt. Nicht folgen können die Proponenten dem Vorschlag, den aus dem Jahr 1095 stammenden Kreuzzugsaufruf „Deus lo vult“ zu verwenden, weil dies in der unmittelbaren Nachbarschaft der Muslime wohl als Provokation aufgefasst werden würde und jeden interreligiösen Dialog von vornherein behindern würde.

Es bleibt vorerst also eine Entscheidung zwischen den drei genannten Stellen aus den Evangelien zu treffen. Wenn bei den Zielen der Vereinigung dem ökumenischen Gedanken besonderes Gewicht beigemessen würde, würde dabei wohl Joh 17,21 Favorit sein.

Aber in der Frage eines Wahlspruches muss sicher noch weitergedacht werden. Insbesondere könnten auch Perikopen aus dem Alten Testament in Betracht gezogen werden, weil damit Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Judentum anklingen würden.

→ Soweit die Ergebnisse der Umfrage.

Anmerkung: Die Originaltabellen der Auswertung werden auf Wunsch gerne per E-Mail zugeschickt.

Weiterführende Überlegungen

Vier Prinzipien und ein Wappen mit vier Feldern?

Zunächst stellt sich die Frage der Prinzipien. Wiederum aus der Überlegung, dass die geplante Vereinigung eine möglichst große Nähe zum Gedankengut des ÖCV haben soll, wird von vier grundsätzlichen Zielsetzungen einer Jerusalemer Akademikergemeinschaft ausgegangen.

Vergleichen wir dazu die Satzung der katholischen Rudolfina mit den Grundsätzen der ökumenischen Austria-Sagitta im EKV, um einen Ausgangspunkt für eine Diskussion über die Zielsetzungen einer Akademischen Pilgerschaft in CV-Nähe zu bekommen.

Rudolfina

Rudolfina ist nach den Prinzipien Religion, Vaterland, Wissenschaft und Lebensfreundschaft aufgebaut. Rudolfina bekennt sich zum katholischen Glauben, zu einem souveränen demokratischen Österreich, zum unvoreingenommenen Streben nach Bildung und Erkenntnis und der Idee der Brüderlichkeit. Die Wappen-Symbole dafür sind: in Rot ein silbernes Kreuz, in Blau Rudolf der Stifter, in Blau ein geöffnetes Buch, in Grün ein von Rosen umkränzter Pokal.

Austria Sagitta

Zwei sich reichende Hände in einem Eichenkranz symbolisieren die Amicitia, die Lebensfreundschaft zwischen allen Verbindungsmitgliedern. Das Christussymbol Chi-Rho zeigt unsere Verankerung im christlichen Glauben. Die Einheit aller Christen ist uns dabei ein ernstes Anliegen, weshalb sich unser Prinzip Religio auf die katholische Kirche und auf alle im ökumenischen Weltrat vertretenen christlichen Kirchen bezieht. Die Eule auf der Schriftrolle steht für Wissenschaft und Weisheit und symbolisiert das Prinzip Scientia.

Jedes Mitglied ist zum Abschluss eines universitären Studiums bzw. einer vergleichbaren Ausbildung verpflichtet und zu einer akademischen Lebensführung angehalten. Das geöffnete Tor steht für Libertas und bedeutet, dass wir für ein freies Europa und die individuelle Freiheit des Menschen eintreten. Es soll die Ablehnung jeglicher totalitärer Systeme und Strömungen versinnbildlichen und die Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit unterstreichen.

Wir machen nun einen großen Schritt ins Heilige Land und postulieren für die zu gründende „Akademische Pilgerschaft“ folgende Zielsetzung:

Terra Santa ist nach den Prinzipien RELIGIO, PAX, SCIENTIA und AMICITIA aufgebaut. Terra Santa bekennt sich zum christlichen Glauben, zum friedlichen Zusammenleben aller Völker, insbesondere im Heiligen Land, zum unvoreingenommenen Streben nach Bildung und Erkenntnis sowie zur Idee der Geschwisterlichkeit.

  1. Die Gesetzestafeln im goldenen Feld symbolisieren unseren christlichen Glauben, dessen Ursprung im Alten Testament liegt.

    Alternativen wären: das Fisch-Symbol oder das Chi-Rho-Zeichen für Christus. Das letztere ist als „Signum“ Kaiser Konstantins vielleicht nicht ganz so geeignet. Auch eine aufgeschlagene Bibel wäre ein gutes Symbol. Bbr. Fürnkranz, Rom, hat vorgeschlagen, das Symbol „Brot und Fische“ aus dem Mosaik in der Brotvermehrungskirche von Tabgha zu verwenden.

  2. Der Ölbaum, an dem ein kleiner rotweißroter Bindenschild lehnt, steht für den Frieden im Heiligen Land und in der Welt, daneben für den Ursprung aus Österreich. Alternative: Ölzweig.

  3. Die Öllampe über einem offenen Buch verweist auf die Pflege der Wissenschaft. Das Buch könnte den Satz „Scientia nubes terrentur“ zeigen — wie im Wappen der Rudolfina. Alternative: Schriftrolle, Eule.

  4. Der goldene Kelch im purpurnen Feld symbolisiert den Willen zur geschwisterlichen Lebensfreundschaft. Alternative: Pokal mit Blütenkranz wie bei Rudolfina.

Denkanstöße zum Thema „Prinzipien“ und ihrer Symbolik enthalten die folgenden Wappenentwürfe:

Das Wappen müsste noch „entfeudalisiert“ werden, passen ja weder Helm noch Krone noch Pfauenfedern zum Gedanken einer „Pilgerschaft“. Im dritten Entwurf — er stammt von Cbr. Martinek — werden deshalb Pilgerhut und Pilgerstab angedeutet. Dazu könnte noch ein Pilgermantel als Wappenmantel treten.

Cui bono?

Über den Namen und die im Wappen symbolisierten Prinzipien kommen wir zu der zentralen Frage, die auch in der Umfrage immer wieder ventiliert wurde. Sie lautet, auf den Punkt gebracht: „Was soll das Ganze?“ Was ist der Vereinszweck der „Terra Santa“?

Die Idee der Gründung einer akademischen Pilgerschaft in der heiligen Stadt Jerusalem geht auf verschiedene Überlegungen zurück.

Die Bezeichnung „Pilgerschaft“ ist nicht nur eine organisatorische Notlösung, der Name soll auch Programm sein. Theologisch-existentiell gesehen befinden wir Menschen uns zeitlebens auf Pilgerschaft — oder, um es mit Augustinus zu sagen: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir, o Gott.“

„Pilgerschaft“ heißt natürlich auch Orientierung auf die Stadt Jerusalem im Heiligen Land, wo Jesus von Nazareth wirkte, starb und auferstand, und wo das Österreichische Hospiz eine wichtige Funktion der Begegnung mit der Religion — den Religionen — erfüllt. Schließlich hat jede Reise nach Jerusalem, wenn sie nicht Routine geworden ist, den Charakter einer Pilgerreise, besonders wenn auch das Österreichische Hospiz besucht wird, das sich ja als „Sitz“ der Terra Santa besonders eignen würde. Hier der Blick vom Dach:

Eine weitere Überlegung betrifft die Existenz von akademischen Verbindungen im nicht-deutschsprachigen Ausland, wovon es laut Wikipedia überraschend viele gibt. Für unser Thema sind folgende von besonderem Interesse:

  1. In Rom, der sogenannten „Heiligen Stadt“, gibt es eine CV-Verbindung, die „Katholische Akademische Verbindung Capitolina zu Rom“:

    https://www.capitolina.net

    Ist nicht Jerusalem noch viel mehr „Heilige Stadt“ als Rom? Ist nicht dort der Ursprung unserer Religion? Sollte der CV nicht auch dort eine „Außenstelle“ besitzen? Soweit wir wissen, leben gegenwärtig nur drei CVer permanent in Jerusalem.

  2. In Tokio, der Hauptstadt des shinto-buddhistischen Staates Japan, existiert eine CV-Verbindung, die „Akademische Vereinigung Edo-Rhenania zu Tokio“.

    Wenn Japaner und Japanerinnen CV-Farben tragen dürfen, warum gibt es nicht eine ähnliche akademische Vereinigung an der Stätte, wo sich die drei „Religionen des Buches“ treffen, wo die Vielfalt der christlichen Konfessionen nach Einheit ruft und wo sich die Gelehrsamkeit gerade in religiösen Fragen geradezu bündelt?

    https://www.edo-rhenania.org

  3. Syrien: Im Juni 1994 fanden sich fünf bierehrliche Seelen im Auslandseinsatz auf den Golanhöhen in Syrien, um eine Kneipe zu schlagen. Aus dieser Kneipe resultierte am 9. September 1994 mit Hilfe der Mutterverbindung e. v. Theresiana die Gründung der K.Ö.St.V. Golania zu Arné — Arné ist eine kleine christliche Siedlung an den Hängen des Mount Hermon — durch katholische korporierte Offiziere der United Nations Disengagement Observer Force, UNDOF, in Arné.

    Die letzten Eintragungen auf der Homepage von Golania stammen aus dem Jahr 2010. In Wien existiert aber noch ein Büro, mit dem wir uns natürlich in Verbindung setzen werden.

  4. Vor wenigen Tagen, am 25. Oktober 2013, feierte die slowakische katholische Verbindung S.k.a.V. Istropolitan zu Bratislava/Pressburg ihr 20. Stiftungsfest. Über 30 Bajuwaren waren dabei.

    http://www.istropolitan.sk

  5. KStV Pragensis

    Die Katholische Studentenverbindung Pragensis wurde als farbentragende, nichtschlagende Korporation in Prag am 17. Juni 2000 gegründet. Im Jahr 2004 wurde Pragensis in den Europäischen Kartellverband aufgenommen. Als Farben tragen wir in Band, Zipfel und Mütze die Farben Weiß, Rot und Gelb. Unsere Verbindung versteht sich als ein Bund, in dem das Miteinander von christlichen Studenten und Akademikern aus Tschechien, Deutschland und Österreich in der Goldenen Stadt Prag im Mittelpunkt steht. Daher hat sich die K.St.V. Pragensis für ihre Mitglieder die Prinzipien religio, amicitia, patria und scientia gegeben.

    https://pragensis.cz/?lang=de

K.Ö.St.V. Golania zu Arné — letzte News 2004.

Schlussfolgerungen

  1. Der religiös fundierte couleurstudentische Gedanke sollte in Jerusalem in geeigneter Form präsent sein.
  2. Aus praktischen Überlegungen ist dies nur mit einem Verbindungsmodell sui generis möglich, dem Modell „Pilgerschaft“.
  3. Aufgrund der besonderen Situation Jerusalems und aus zeitgemäßen theologischen Überlegungen muss diese Vereinigung ökumenisch ausgerichtet, beiden Geschlechtern zugänglich und über die Konfessions- bzw. Religionsgrenzen hinaus dialogbereit sein. Sie wird selbstverantwortlich handeln, aber stets im aufmerksamen Dialog mit den Hirten unserer Glaubensgemeinschaften stehen.
  4. Die Verwirklichung des Prinzips „Religio“ sollte so interpretiert werden, dass der Satz „ut omnes unum sint“ Joh 17,21 nicht nur als theologisches Fernziel anerkannt, sondern als Herausforderung in der Lebenspraxis angesehen wird.
  5. Das anderweitig übliche Prinzip „Patria“ nimmt hier die Bedeutung von „Pax“ an. Dieser Grundsatz kann im Falle einer in Jerusalem lokalisierten Gemeinschaft nicht als territoriales Vaterlands-Prinzip interpretiert werden, sondern muss als friedensstiftende Funktion im Heiligen Land, ja im „Weltdorf“, aufgefasst werden, was uns die Bergpredigt Mt 5,9 ja besonders ans Herz legt. Dabei wird ein Österreichbezug nicht stören — vgl. das geplante „Nation Branding“, das unserem Land eine Rolle als „Brückenbauer“ zumisst.
  6. Was die Wissenschaft betrifft, so bieten sich in Jerusalem — und in Israel überhaupt — Möglichkeiten an, die weit über jene in Österreich hinausgehen. Das betrifft nicht nur Archäologie und Bibelwissenschaft, sondern reicht auch in Gesellschafts- und Naturwissenschaften hinein.
  7. Der Wille zur „geschwisterlichen Lebensfreundschaft“ ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Dieser Grundsatz erfordert gegenseitige Achtung und partnerschaftliches Verhalten zwischen Männern und Frauen, aber auch zwischen westlichen und orientalischen Christen. Anmerkung: Die griechisch-katholischen Gläubigen, Melkiten, im Heiligen Land stellen die relative Mehrheit der Christen dar. Sie sind also weit zahlreicher als die Orthodoxen. Sie sind arabisch sprechende Bürger Israels, werden von den Europäern jedoch nicht als solche wahrgenommen. Die Mitglieder wollen sich diesen Herausforderungen stellen. Dies gilt in ähnlicher Weise für den Dialog mit Juden und Muslimen.
  8. Die künftige Organisationsform einer „Akademischen Pilgerschaft Terra Santa“ liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen couleurstudentischer Verbindung und akademischem Leseverein. Daraus leitet sich ein „Comment light“ ab. Vorschläge hierzu werden in einem eigenen Papier unterbreitet. Dort wird auch die Frage der notwendigen Zweisprachigkeit Deutsch-Englisch erörtert werden.

Die weitere Vorgangsweise

Das Modell einer „Akademischen Pilgerschaft Terra Santa zu Jerusalem“ wird nach Diskussion in der Rudolfina und mit anderen Cartellern — vor allem nach Stellungnahme durch Rector MMag. Markus Stephan Bugnyar, Cp — neuerlich zu Papier gebracht werden.

Daneben soll Fühlung mit einer Reihe von Vertretern kirchlicher und weltlicher Organisationen, darunter solchen des Ordens vom hl. Grab in Jerusalem und der Golania im EKV, aufgenommen werden.

Vergleiche hierzu auch:

Stand 12.11.2013

→ Stellungnahmen aller Art sind herzlich willkommen:
peter.diem@gmail.com